Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 146 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417808--156-2417993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

146 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Gipfel das ganze Jahr hindurch bedeckt, und von dem ein englischer Reisender bemerkt, er gewähre „ein auffallendes Schauspiel für den Beobachter, der Schutz vor der brennenden Sonne sucht, und dem das Firmament wie ein Feuermeer erscheint". Vor allem zeichnen den Libanon die verschiedenen Zonen und Erzeugnisse aus, die sich von den engen Schluchten seiner untern Thäler bis zu seinen Schneegipfeln hinaus finden. Wir begegnen auf dein Libanon überall einer kräftigen Vegetation; die Zahl der Pflanzen ist so groß, daß sich berühmte Botaniker öfters den Libanon zum längern Aufenthaltsorte erwählt haben und keiner ohne reiche Ausbeute zurückgekehrt ist. Der Ackerbau wird mit Sorgfalt betrieben. Wo keilte natürlichen Abstufungen sich darbicten, da bereitet sie der Bewohner, indem er von einem Felsenvorsprung zum andern Mauern führt, den Zwischenraum mit Steinen ausfüllt und die obere Fläche mit Erde deckt, bis die gewünschte kleine Ebene erlangt ist, wo die Bepflanzung beginnen kann. Mit außerordentlicher Sparsamkeit wird ein jeder Raum benutzt, der irgend zur Anlegung einer Baumpflanzung oder eines Saatfeldes sich eignet, und auf den schmälsten Terrassen sind mindestens Maulbeerbäume angepflanzt, die in der längsten Zeit des Jahres mit ihrem frischen Grün die soitst allzu sehr vorherrschenden Gestalten kühner, oft nackter Felsen verdecken. Der Zweck ihres Anbaues ist die Gewinnung der Blätter zur Nahrung der Seidenwürmer, von deren Zucht die Bewohner des Gebirges hauptsächlich leben. An den steilen Höhen ziehen sich reichbesetzte Weinpflanzungen hinauf; Silberpappeln, Platanen, Eichen und Akazien sind mit Reben nmrankt, und selbst an den dürren Felsblöcken winden sich Weinstöcke hinauf, die den berühmten süßen Goldwein liefern, dessen Trefflichkeit schon der Prophet Hosea mit den Worten beurkundet: „Sein Ruhm sei wie der Wein am Libanon." Arabische Dichter sagen, der Libanon trage den Winter auf seinem Haupte, auf seinen Schultern den Frühling, in seinem Schoße ruhe der Herbst und zu seinen Füßen schlummere der Sommer. Den schönsteil Anblick gewährt das Gebirge von den Höhen des Vorgebirges Beirut. Die Stadt Beirut, das alte Berytus der Phönizier, jetzt Hauptplatz des europäischen Handels für Syrien, voll Gürten von Mandel- und Oliven - bäumen, Cypressen und Pinien umgeben, ist nur eine halbe Meile von den Vorbergen des Libanon entfernt. Die jüdische Gemeinde dasebst zählt achtzig Familien syrischer Abkunft; die meisten dortigen Jude» sind Kauflente oder Lastträger und nur einige wenige Handwerker. In nördlicher Richtung an dem Nahrel-Kelb, d. i. Hundestrom — von den Griechen Lykus, Wolfstrom, genannt — fortwandelnd, erreichen wir bald Dschibail oder Gebal, das Byblos der Griechen. Die Bewohner Gebals waren einst berühmte Baukünstler und behauten und bereiteten in Gemeinschaft mit den Leuten Salomo's und Chiram's das Holz und die Steine für den Tempel. Der Prophet Ezechiel schildert die Herrlichkeit voll Tyrus: „Die Nettesten Gebals und seine Kundigen waren in dir, um deine Lecke auszubessern; all die Schiffe des Meeres und ihre Seeleute waren in dir, deinen Handel zu treiben." (Ez. 27, 9.) Eine Tagereise weiter nach Norden führt uns nach dem durch ein weitläufiges Castell ziemlich befestigten Tripolis. Seinen Namen, Dreistadt, soll es erhalten haben, weil seine ersten Bürger aus den drei Städten Tyrus, Sidon und Aradus dahin zogen. Jetzt heißt der Ort Terablus, zählt ungefähr 15000 Einwohner, worunter nur siebzehn jüdische Familien mit achtig Seelen, und ist ein bedeutender Handelsplatz. Der Hafen liegt eine Viertelstunde von der Stadt, am Ausflusse des Kadischa oderHeiligen Flusses, der von den Höhen des Libanon durch eins der herrlichsten Thäler der Erde strömt, und an dessen Ufern die üppigsten Gärten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.