Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 143 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Ein verschollener,Erfinder. schon ganz geschwunden oder im Schwinden begriffen ist. Wenn diese Gesetze auch bei uns eingebürgert werden, dann magst du, dein Weib und deine Kinder wie die alten Juden auf den Messias warten. Ich glaube wirklich, daß der Messias schon gekommen ist, und das ist vielleicht der einzige Unterschied zwischen mir und dir. Mein Messias ist der Fortschritt. Geb, Pepik, es thut mir leid, daß ich mich einer Dummheit wegen so ereifert habe. Wenn du nur ein wenig nachgedacht hättest, so wärest du von selbst dahin gekommen, wohin du kommen mußtest, wenn du ein rechtschaffener und vernünftiger Mensch bist. Du mußt es dir selbst sagen, daß du selbst, wenn es dir ein Opfer ist, es bringen mußt, weil Rosarka dir ein ungleich größeres bringt und gebracht hat. Ich will dir keinen Vorwurf machen, Pepik; das kommt mir nicht zu. Ich hoffe auch, daß du keinen Vorwurf verdienst. Und nun frage ich dich, wie lange Zeit brauchst du, um deine geschäftlichen Angelegenheiten in Zebus in Ordnung zu bringen?" „Ich werde von heute in acht Tagen zur Abreise bereit sein", sagte Pepik und streckte dein Invaliden die Hand entgegen, die dieser herzlich schüttelte. Das Gesicht des alten Mach leuchtete von innerer Freude, als er in das BauerhauS eintrat. In kurzen Worten wurden Muttem und Tochter von dein Vorhaben Mach's! unterrichtet, mit dem Pepik sich einB verstanden erklärt hatte.! Rosarka's Gesicht strahlte von Glück! und Liebe, als sie erfuhr, daß sie ich wenigen Wochen das Weib Pepik'ch sein sollte. (Schluß folgt."» Gm lwZclMM Erfinder. Abraham Stern wurde im Jahre 1769 in dem Städtchen Hrnbieszow in der Wojwodschaft Lublin in Polen geboren. Das entsetzliche Elend, welches sich in den untern Schichten der polnisch-jüdischen Bevölkerung förmlich eingenistet, lastete schwer auf seinen Aeltern und mußte ihnen um so drückender sein, als sie dadurch für die Erziehung deSMnaben, indem sich schon frühzeitig ein ganz merkwürdiges mathematisches Talent bekundete, gar nichts zu thun vermochten. Abraham Stern, so auf sich allein angewiesen, ergriff das Ilhrmacherhandwerk und brachte eS darin bald zu einer Fertigkeit, in der er seine Zunftgenossen weit hinter sich zurückließ. Dies alles konnte aber seiner immer mehr zu Tage tretenden Neigring nicht genügen; er mußte sein ihm innewohnendes Genie zur Reife bringen, hatte aber nicht die Mittel, die Scbranken, welcbe Ärmuth und Dürftigkeit seiner fernen: Ausbildung gezogen, zu durchbrechen. Ein Glück für den jungen jüdischen Handwerker war es, daß gerade damals das Städtchen Hrnbieszow in das Eigenthum des als Gelehrten wie als Staatsmann hochgeschützten Staßyc überging. Staßpe, ein ehemaliger katholischer Priester, interessirte sich lebhaft für die Leistungen des jüdischen Uhrmachers, ließ ihn zu sich kommen und rieth ihm, nach Warschau zu gehen, um dort einzig und allein mathematischen Studien zu leben. Von seinem Wohlthäter hinreichend unterstützt, reiste Abraham nach Warschau. Hier endlich war der Boden gefunden, wo sich das mathematische Genie in den üppigsten Blüten entfalten sollte. Nachdem er bald das irr seiner Jugend Versäumte mit rastlosem Eifer und Fleiß nachgeholt und im Laufe der Jahre höchst bedeutende geistige Schätze gesammelt, trat er mit praktischen Erfindungen in die Oeffentlichkeit, die nicht nur das Staunen der Gelehrtenwelt, sondern das aller übrigen Stände im hohen Grade erregten. Seine Wohnung war von da an der Sammelpunkt der ersten und angesehensten Personen des Reiches, sowie andererseits Abraham Stern in den Häusern und Palästen der gelehrten und vornehmen Welt Warschaus gesehen wurde. Die berühmte Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften nahm ihn in ihre Mitte auf, und Kaiser Alexander, selbst ein nicht unbedeutender Mathematiker,