Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Fürst. 133 Hab' ich das gewonnen, was ich ge- Winnen wollte? Ja, wenn alle Menschen so denken möchten wie Sie — das wollt' ich gewinnen; aber ich habe den Proceß nicht gewonnen." „Beruhigen Sie sich", entgegnete der Advocat; „ich verstehe Sie sehr gut;»was Sie wollen, das will ich auch, aber das läßt sich nicht übers Knie brechen. Vielleicht erleben wir's beide noch." _ Sie haben es erlebt. Am 26. Februar 1861 besuchte der Jude Abraham seinen alten Freund, denn dies war ihm der Advocat geworden, und sagte: „Herr Advocat, heute habe ich meinen Proceß gewonnen." Julius Fürst. Von vr. Alois Müller. Dieser um die hebräisch-aramäische Literatur so verdiente Gelehrte ward am 12. Mai 1805 zu Zerkowo in der Provinz Posen geboren. Da er sich für das Rabbinat ausbilden sollte, wurde er schon frühzeitig mit dem Hebräischen bekannt gemacht und hatte es bereits in seinem zwölften Jahre zu einer ziemlichen Vertrautheit mit dem Talmud gebracht. Im Jahre 1820 trat Fürst ins Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, nachdem er sich binnen etwa zwei Jahren die deutsche Sprache, mit der er bis dahin ziemlich unbekannt gewesen war, so weit eigen gemacht hatte, daß er in diese Anstalt ausgenommen werden konnte. Fünf Jahre später finden wir ihn auf der dortigen Universität, wo er sich auf eine kurze Zeit den philosophischen und theologischen Studien unter Hegel, Neander und andern widmete. Bald aber wandte er sich von hier nach dem Rabbinerseminar zu Posen, um sich daselbst zum Rabbiner auszubilden. Dazu jedoch war der junge Mann nicht geschaffen. Er ward sich während der Zeit, welche er auf dieser Anstalt zubrachte, immer mehr klar, daß die freie Forschung, zu der sein Geist hinneigte, mit diesem Stande sich nicht recht vertrage, und so beschloß er denn 1829 dieser Laufbahn zu entsagen, die seinem innersten Wesen so wenig entsprach, um dafür ganz der Wissenschaft anzugehören, die an ihm in derThat einen ihrer eifrigsten Priester gefunden. Er ging jetzt zunächst auf die Universität Breslau, wo er orientalische, theologische und archäologische Studien trieb, die er dann in Halle unter Gesenius, Wegscheider undTholuck fortsetzte und vollendete. Im Sommer 1832 erwarb er die philosophische Doctorwürde und wühlte nun Leipzig zu seinem Aufenthalte, wo er seitdem im Dienste der Wissenschaft lebt, für die er von jetzt an eine ungemein fruchtbare Thätigkeit entfaltete. Was Fürst während dieser Zeit in seiner Wissenschaft geleistet, das bezeugt am besten sein Name, der stets unter den ersten genannt wird. Fachmännern sind seine Leistungen bekannt; für die Leser dieses Blattes aber dürfte es nicht ohne Interesse sein, eine kurze Skizze derselben zu geben. Wir folgen hierin dem uns vorliegenden „Wissenschaftlichen Rechenschaftsbericht" unsers Gelehrten, einem speciell seinen Gönnern, Freunden und Fachgenossen gewidmeten Rückblick über drei Jahrzehnte seines Wirkens, das stets nur dem Forschen und der Förderung der Wissenschaft geweiht war. Uns aber will seine uneigennützige, edle Aufopferung aller Manneskraft um so höher dünken, je weniger dankbar das Gebiet ist, auf dem sich sein rastloses Streben so segensreich entfaltete. Ist es ja doch eine Literatur, gegen die um des Volks willen, der sie angehört, leider noch solche Vorurtheile bestehen, daß man fast an der Aufklärung und Bildring verzweifeln muß. Wahrheit, wann wirst du endlich über alle die Lügen und Verleumdungen obsiegen, die wilder Fanatismus gegen die Juden erfunden?! Es war das Gebiet der Philologie, auf dem Fürst zuerst die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf sich zog, und zwar durch sein „Lehrgebäude der aramäischen Idiome" (1835). Diese gediegene Arbeit wurde, wie sie es auch