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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 71

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 71 (sequence 79)
Language
German
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Die römische Enchklica und die Lehren des Judenthums. 71 modernen Civilisation die Kirche keinen Vergleich eingehen könne und dürfe; ein Aktenstück, nach welchem der größte Theil der Erdbewohner, 400 Millionen Buddhisten, 200 Millionen Brahmisten, 150 Millionen Mohammedaner, 80— 100 Millionen Fetischanbeter, 4—5 Millionen *) Israeliten und alle Akatholiken der Verdaimnniß allgehören. Die französische Regierung hat auf einen Beschluß des französischen Staatsrathes jede Veröffentlichung der Enchklica auf kirchlichem Wege, jede Mittheilung durch die Bischöfe an ihre Diöcesanen, jede Erwähnung derselben in ihren Hirtenbriefen, jede Besprechung derselben auf der Kanzel strengstens verboten; dies Verbot ist eine sprechende faktische Verwerfung der Enchklica, welche es für eine verdammenswerthe Irrlehre erklärt, daß die päpstlichen und bischöflichen Erlasse einer Genehmigung von seiten der Obrigkeit bedürfen. Ueberdies hat der französische Minister des Auswärtigen eine scharfe Note an die päpstliche Curie gerichtet. Nicht so entschieden, aber nicht minder oppositionell äußerte sich die österreichische Regierung mit den Worten: „Ohne in eine Beurtheilung der erwähnten Kundgebung einzügehen, wozu derzeit für die kaiserliche Regierung kein Anlaß vorliegt, erkennt sie in derselben nur eine Verlautbarung von Anschauungen des päpstlichen Stuhles, welche an und für sich nicht geeignet ist, eine Aenderung der in dein Kaiserthume Oesterreich bestehenden Gesetze und Einrichtungen zu bewirken." Indem wir hier die Manifestationen der französischen und österreichischen Regierungen reproducirten, fügen wir nur noch hinzu, daß mit ihnen alle übrigen Regierungen mehr oder weniger übereinstimmen, sodaß das Judenthum, welches von den Donnerschlügen und den Blitzstrahlen des Vaticans im Mittelalter am meisten getroffen ward, getrost und unverzagt zu seinen weltlichen Beschützern emporblicken kann. Je ruhiger aber der Jude bei dieser Enchklica bleiben kann. *) Diese Ziffer ist die landläufige, doch dürfte das Doppelte der Wirklichkeit entsprechen. D. R. um so mehr ist er verpflichtet, sich Rechenschaft davon abzulegen, wie sich die Lehre des Judenthums zu der Lehre des enchklischen Christenthums verhält, ob die Mutter mit der Tochter übereinstimmt, oder von ihr, und in welchen einzelnen Punkten, abweicht. Wohlan, laßt uns sehen! Als Irrlehren gelten: S. 1. Pantheismus, Naturalismus und absoluter Rationalismus. 1) „Es gibt kein höchstes, allweises und allvorsehendes, von der Welt unterschiedenes göttliches Wesen, und Gott ist eins mit der Natur, daher dem Wechsel unterworfen und wird in der That nur Gott im Menschen und in der Welt; das All ist Gott und besitzt das eigentliche Wesen Gottes; Gott und die Welt sind eins und dasselbe, daher auch der Geist und die Materie, die Nothwendigkeit und die Freiheit, das Wahre und das Falsche, das Gute und das Böse, das Gerechte und das Ungerechte." Indem die Heilige Schrift mit den Worten beginnt: „Am Anfänge erschuf Gott Himmel und Erde", bezeichnet sie den Schöpfer als ein außer- und überweltliches Wesen, geht von Gott aus, dessen Dasein dem Menschen in die Brust geschrieben wurde, und läßt durch sein Schöpferwerk die Welt entstehen. So trat das Judenthum dem Heidenthmn entgegen, welches von der Welt ausging und sich dann erst seine Götter construirte, und folglich auch dem Pantheismus, welchem Gott und Welt eins sind. — Wir meinen, daß die Siebzig darum Llobüni bar d6re86bit schrieben, um anzudeuten, daß man Gott voraussetzen muß und dann erst zu der von ihm ins Dasein gerufenen Schöpfung übergehen kann. 2) „Jedes Eingreifen Gottes in die Menschheit und in die Welt ist zu leugnen." Das Judenthum ist noch strenger und consequenter in der Verdammung dieser Irrlehre als das Christenthum, denn dieses setzt einen Vermittler zwischen Gott und den Menschen, jenes aber setzt Gott den Vater in unmittelbarstem Rapport mit jedem einzelnen Menschensohn und läßt die Vorsehung Gottes über jedes menschliche Jndividium, das in seinem Ebenbilde geschaffen, direct walten. 3) „Die menschliche Vernunft ist ohne Rücksicht auf Gott der einzige Schiedsrichter zwischen wahr und falsch, gut und böse; sie ist sich selbst Gesetz, und ihre natürlichen Kräfte reichen hin, das Wohl der Menschen und der Völker zu begründen." Hätte der Rationalismus recht, dann hätte sich Gott nicht auf dem Berge Sinai und nachher zu offenbaren brauchen. Daß sich aber Gott auf Horeb und auch später geoffenbart hat, ist nicht nur Glaube, sondern auch historisch verbürgte Thatsache. Daher ist auch 4) eine Irrlehre: „Alle Wahrheiten der

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