Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Halts in Konstantinopel eignete er sich die Kenntniß von nicht weniger als zwanzig orientaliscben Sprachen an, und veröffentlichte mehrere spracbwissenschastlicbe Werke, - von welcbeu namentlich sein türkisch-deutsches Wörterbuch sKonstantinopel 1858) das bekannteste ist. Die ungarische Akademie in Pestb, sowie einzelne Ungarn bestrebten sich schon seil einer Reihe von Jab reu, die Ursitze des ungarischen Volkes und in weiterer Folge seine Sprachverwandtschaft mit andern, finnischer Idiome sich bedienenden Völkern zu erforschen, ohne zu einem Resultate gelangen zu können. Vamberv erbot sich nein im Jahre 1860, nachdem ihii die ungarische Akademie zu ihrem Mitgliede ernannte, zu diesem Zwecke eine Reise in das von Europäern fast noch nie betretene centrale Asien zu unternehmen. Die Akademie unterstützte ihn mit 1000 Fl. Er beschloß, die Reise als Derwisch verkleidet zu unternehmen, in der richtigen Voraussetzung, daß er als Europäer unmöglich werde sein Unternehmen, unbehelligt ansführen können; doch batte diese Verkleidung den Nachtheil, daß er sich auffälliger Untersuchungen, eingehender Erkundigungen enthalten mußte und selbst Notizen aufznschreiben und aufzubewahren nur durch List ihm möglich wurde. Die sprachwissenschaftlichen Resultate seiner Reise sind noch nicht veröffentlicht, und daher ein Urtheil hierüber zu fallen noch nicht möglich. Die Beschreibung der Reise selbst und die derselben beigefügten Notizen über Bevölkerung, Lebensweise, Regierungswesen, Ackerbau, Handel, Industrie rc. der von ihm besuchten Länder, die er im vorigelt Jahre zuerst in englischer Sprache publicirte, machten in der wissenschaftlichen Welt das größte Aufsehen. Zu jenen Gefahren, die überall den Reisenden in unwirthbaren und wüsten Landstrichelt verfolgen, gesellte sich hier der islamitische Fanatismus, dessen Verdacht, durch die auffällig europäischen Züge des Derwisch rege gemacht, ihn unablässig verfolgte. Allen diesen Gefahren wußte er stets mit jenem beweglichen, schlagfertigen, nie uni eine Antwort verlegenen Geiste, der dem Juden eigen, zu begegnen. Diese Geistesgegenwart rettete ihn namentlich in Kbiwa vor Entdeckung, wo er sich sogar als Hadschi-Rumi (türkischer Pilgerein gewisses Ansehen zu geben wußte, und dem grausamen Khan Seid Mubamed seinen Segen ertbeilte. F» Bokbara, dem „Rom des Islam", wie es der Reisende nennt, konnte er hingegen nicht den Verdacht des Stattbalrers Ratunet Bi beschwichtigen. Glücklicherweise gelang es ihm, den dort besonders einflußreichen mohammedanischen Geistlichen mehr Vertrauen in seine Rechtgläubigkeit einzuflößen und sich so vor Verfolgungen der weltlichen Gewalt zu schützen. Die letzte Gefahr drohte ihm auf der Rückreise in Herat, wo ihn der junge Serdar init der rasck hingeworfenen Bemerkung: „Ich schwöre, du bist ein Engländer", zu demaskiren suchte. Obne zu zögern erwiderte er mit der Koranstelle: „Wer einen Gläubigen, wenn auch nur im Scherz, einen Ungläubigen nennt, ist selbst ein Ungläubiger", und der Serdar wagte es nicht weiter ibn zu bebelligen. In Teheran entdeckte er dem Schah seinen wahren Charakter, der ihn mit 500 Dukaten und dem Sonnenorden beschenkte. Nach Europa zurückgekehrt, ward Vämbery der Gegenstand allgemeinster Bewunderung. In England, wohin er sich zuerst begab, feierte er Triumph auf Triumpb. Regierung, Gesellschaft und gelehrte Körperschaften überhäuften ihn mit Auszeichnungen und Ehrenbezeigungen. Einen Lehrstuhl, den ihm die Universität Oxford anbot, schlug er aus, um seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen an der Pesther Universität lehrend zu verwerthen. Die Monarchen Oesterreichs und Frankreichs, denen er sich vorstellte, empfingen ihn in huldreichster Weise. Zu Zwecken der ungarischen Wissenschaft unternahm er seine Reise, und i jetzt, wo er sich seiner Aufgabe in so! glänzender Weise entledigt, will er auch ferner seine noch junge Kraft der