Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 37 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den untern Schichten. Der Haarschmuck der Hebräerinnen. 37 seinen Schrecken nnd seinen Seligkeiten! „Dn warst verrückt, dn bist verrückt, und dn wirst verrückt sein!" schreit Gittel. „Wenn uns Gott geholfen, wir haben Geld, sollen wir unsere Äarkes hier in fremder Erde haben und begraben werden zwischen Gojem, du verrückter Mensch! Ich reiße der Ehewra die Äugen aus, wenn sie das Geld nicht zurückgibt, damit wir nach Jerusalem gehen und einst im Lande unserer Väter begraben werden!" „Gittelleb", ruft der Klausner voll Bewunderung, „du hast einen Ministerkopf. Mir ist diese Idee gar nicht in den Kopf gekommen. Aber sag' mir, Gittel mein Leben, wovon mir dort im heiligen Land leben werden, wenn uns so viel Geld auf der weiten Reise aufgebt und wir uns etwas für später vorbereiten? " „Von was lebst du denn hier? Hast du hier Güter? Hast du hier Linen Handel, eine Fabrik? Derselbe Gott lebt auch dort! Hier trage ich Erdäpfel und Zwiebeln zum Verkaufe, dort werde ich mit Feigen und Datteln herumhausiren. Dein Tilim und Mischnais und Kadisch sind dort so viel werth wie hier. Haben wir nichts, so fasten wir dort auch, wie wir hier bungerten, wenn nichts da war. WaS kann uns denn geschehen? Wir packen unsere Armnth und unsere Kinder zusammen und wandern ans." „Ja, Gittelleb, aber unser Halis?" „ Siehst du, das Haus können wir der Ehewra geben. So lange wir leben, soll man uns die Miethe schicken, später, über hundert Jahr, gehört das Geld der Ehewra; dafür hält sie unsere Jahrzeit." Die Schisse, welche die Straße nach der Geburtsstätte der Menschheit, dem Driente, hinabsegcln, tragen oft solche Auswanderer. Das sind nicht jene kräftigen robusten Gestalten, die in den neuen Welttheilen ein jungfräuliches Stück ^Land aufsuchen, um seiner Urbarmachung ihren Fleiß, ihren Schweiß nnd ihre Kräfte zu widmen. Das sind meist altersschwache, morsche Gestalten, die an das Leben ihre De Mission bereits gegeben und nun einzig im Interesse ihrer Seelen hinpilgern ins Land, wo die Wiege und das Grab jüdischer Herrlichkeit liegen, wo heilige Erinnerungen an jeder verwitterten Ruine, an jedem grünen Hügel, an jeder dämmerigen Höhle kleben, wo die heiligen Sagen durch die dunkeln Cederwälder des Libanon flüstern und an den üppigen Gestaden des Jordan sowie im glü henden Sande der Wüste von den ge bräunten Kindern des Morgenlandes Generation an Generation überliefert werden: dort in altgeweihter Erde ihr Grab zu graben! Nichts nehmen sie aus der alten Heimat mit als ihre Armuth und ihr Gebet, die sie bis zur letzten Ruhestätte begleiten. Der Mann verläßt die Frau, die Frau ihren Gat ten, die Aeltern verlassen ihre Kinder, den heißen Wunsch zu stillen, im heiligen Lande sterben zu dürfen, in welchem sie nicht leben durften. Die glühende Sehnsucht des Alters, wel ches sich gewöhnlich aus den Stab der Religion stützt, ist dorthin gerichtet, wo, ehe der jüdische Tempel und die jüdische Herrschaft in Trümmer gingen, die Juden ihren Gott, ihre Priester, ihre Könige, ihre Fürsten und Feld Herren verherrlichten und ihre mächtigen Stämme in brüderlicher Eintracht leb ten: ein unvergängliches Monument der Geschichte, die hier bewundernd und betrauernd verweilt! Dkl KlMklMllck im Wmnmm. ,n as Haar war bei den mdischeu Frauen der biblischen Periode stets der Gegenstand sorgsamster Pflege, die zum ^urus wurde, nachdem die Gesellschaft die orientalische Prunksucht gleichzeitig mit dem orientali scheu Despotismus angenommen. Die starre Form des orientalischen Gebens, welches die Tracht dem Einflüsse des wechselnden Geschmackes entzieht und sie zum unveränderlichen Attribut der