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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 8

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 8 (sequence 16)
Language
German
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8 Jllustr. Monatsh. für die ges. und Nebensächlichkeiten des orthodoxen Cultus strenge beobachteten, den Abfall ihrer Töchter aber duldeten, ja ihn sogar oft guthießen und förderten! Es war die Eitelkeit, einer der bedauerlichsten Erbfehler des jüdischen Stamms, die ihr Gewisser mit dem betreßten Kragen, mit dem „von", mit dem Tröpfchen blauen Bluts, das der Schwiegersohn in ihre Familie brachte, beschwichtigte. Diese Eitelkeit fordert auch jetzt noch ihre Opfer! Dies war die Physiognomie der Gesellschaft, der die Frau, deren Leben und Charakter zu schildern wir unternommen, angehörte. II. Eine jener wenigen Familien, die hohe Bildung mit inniger Anhänglichkeit an das Judenthum vereinten, war die des damals geschätzten und gesuchten Arztes de Lemos in Berlin. Von portugiesischer Abstammung, war er ein geborener Hamburger. Das Laubhüttenfest führte in sein Haus hohe Gäste, selbst königliche Prinzessinnen, die dem jüdischen Ceremoniell beiwohnten; da war immer durch mehrere Jahre die kleine Henriette der Gegenstand der Bewunderung. Die Eltern schoben das Töchterchen, das durch seine Schönheit und seine Talente besonder» Glanz um Haus und Familie breitete, bei jeder Gelegenheit vor. Henriette de Lemos war schon in frühester Jugend eine „gefeierte Dame". Ein besonderer Liebreiz, eine schelmische Naivetät umfloß das reizend schöne Kindergesichtchen. Ein scharfer, durchdringender Verstand, gepaart mit jenem Geist, jenem Esprit, den man „Geistreichheit" nennt, blitzte in mildem Feuer aus den unvergleichlich schönen schwarzen Augen des kleinen Mädchens. Ein besonderes Sprachentalent war ihr schon frühzeitig eigen. Sie übersetzte geläufig die hebräische Bibel, trieb Griechisch und Latein, sprach geläufig französisch, englisch und italienisch, hatte Kenntnisse vom Spanischen und Schwedischen. Sie begann diese Sprachstudien in früher Kindheit und setzte sie später fort. Als Ma- Jnteressen des Judenthums. trone trieb sie in Roin noch unter Bopp Sanskrit. Ein Zug besonderer Energie datirt sich aus dieser frühen Jugendzeit. Mehrere Töchter jüdischer Vornehmer beabsichtigten, sich an einer häuslichen Theatervorstellung mitwirkend zu betheiligen. Henriette de Lemos war mit darunter. Die jüdischen „Gemeindeältesten" von Berlin bekamen von der beabsichtigten Unterhaltung Wind und verboten dieselbe. Der Besuch des Theaters galt damals den Juden als sündhaft, wieviel mehr die chauspielerische Betheiligung an demelben! — Das Verbot kam dem betroffenen Mädchenkreise natürlich mehr als ungelegen. Zur Rebellion, zur offenen Widersetzlichkeit fehlte der Muth. Was thun? Die kleine de Lemos half. Sie trat vor den ehrwürdigen Vorstand und forderte energisch die Zurücknahme des Jnterdicts. Sie stellte ihm vor, wie es so hohen Rathes, so einer ehrwürdigen Versammlung nicht würdig sei, sich um Kinderspiel zu kümmern, und drohte mit einfacher Hinwegsetzung über den strengen Ukas. Das half, die Vorstellung ward bewilligt, das Verbot zurückgenommen. Ihrer Mädchenjahre waren wenig. Im Jahre 1764 geboren, war sie schon im Jahre 1777, zwölf und ein halb Jahre alt, Braut. Die patriarchalische Sitte, die dem Familienoberhaupt unumschränkte und absolute Gewalt über die Hand der Töchter einräumt, war damals im Judenthum unangefochten herrschend. Mendelssohn, der Reformator des Judenthums, respectirte diese Sitte und verfügte ihr gemäß über die Hand seiner eigenen Töchter. De Lemos hatte seiner Tochter einen Mann gegeben, ohne ihren Willen, ihre Neigung zu befragen. Dieser Mann war sein mehrjähriger Freund, der Arzt, nachmals berühmte Professor und Hofrath Marcus Hertz. Er kam allabendlich zu de Lemos, ein Partiechen mit den Eltern zu machen. Die Tochter, seine Braut, »saß an seiner Seite und sah zu. Er hatte beiläufig das dreifache Alter seiner Braut erreicht. Bei diesem Misverhältniß der

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