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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
5 (1938)
Issue
Heft 2
Date
1938-01-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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sondern reichte erst gegen Ende des Wintersemesters sein Rücktrittsgesuch ein, als bereits völlige Ruhe wieder hergestellt war. Der damalige Schulminister Bechyne nahm jedoch diese Demission nicht zur Kenntnis, so dass Prof. Steinherz bis zum Schluss seines Rektorsjahres amtierte. Die „Affäre Steinherz" war zunächst eine Affäre seines eigenen seelischen Gleichgewichtes und erst in zweiter Richtung ein Ansporn für die antisemitischen Ausschreitungen an den diversen Universitäten Mitteleuropas. Damals war Steinherz, der tief in der deutschen Assimilation steckte, abgestumpft gegen den Kampf, der seinen Namen trägt, welchen die jüdische Studentenschaft an seiner Universität und welchen der Jüdische Nationalrat, als Repräsentant des zum eigenen Volkstum erwachten cechosl. Judentums führte. Es war dieselbe Erschütterung, die einige Jahre später Professor Lessing erleben musste und die zum kollektiven Erlebnis geworden war, als der 1. April 1933 in Deutschland Einzug hielt. Mit Recht konnte eine jüdisch-nationale Zeitung in den Tagen der „Steinherz-Affäre' von ihm schreiben'. „Den Rektor Steinherz versichern wir unserer menschlichen Sympathien — mag uns auch politisch eine tiefe Kluft trennen. Wir sehen, wie Judenschicksal dem bescheidenen Gelehrten plötzlich die Last einer grossen Verantwortung auf die Schultern gelegt hat. Wir haben genug Erklärungen zu dieser Affäre gehört. Wer aber denkt an den Menschen Steinherz? Die Juden! Wir sehen ihn einsam stehen, in tragischer Situation. Im Stiche gelassen von denen, die ihn gewählt; in zweifelhafter Haltung das deutsche Volk, zu dem er sich zählt; voller Sympathie und Verehrung für ihn — freilich kaum zu seiner Freude — die Juden {auch das bestätigt die „Vertrauenskundgebung"). „Rektor Steinherz ist für uns ein dem jüdischen Volk Entfremdeter; aber das Schicksal, das er mutig auf sich genommen hat, verleiht dem Manne, der sich als Deutscher fühlt und als Deutscher zu kämpfen meint, die heroischen Züge des Juden, der mit jüdischer Konsequenz für seine Überzeugung kämpft" Rückkehr zum Volke. Das war 1922. Wer konnte damals ahnen, welch gewaltige innere Revolution dieses Sturmjahr auf den immerhin dreiundsechzig- 54

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