Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 5 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 15)
- Language
- German
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Pflichten zur Aufgabe gestellt haben und nur in Ausnahmsfällen auch Jugendliche, selbst Kinder, aufnimmt, ist die in Rede stehende Chewra Kadischa von Jugendlichen gegründet und von diesen verwaltet und betreut worden. Natürlich konnten auch in Einzelfällen verheiratete Männer zugelassen werden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wo Reformen und Emanzipationsbestrebungen innerhalb des Judentumes an der Tagesordnung waren, verdient hervorgehoben zu werden, dass die heranwachsende Jugend in Böhmen in den Bahnen der alten Tradition noch fest verwurzelt war und mit Liebe und Eifer uneigennützige Liebesdienste an Kranken und Verstorbenen übte. Aus diesen Bestrebungen heraus hat sich dieser Verein „Chewra Kadischa Tiferes Bachurim" entwickelt. Die Statuten dieses Vereines, 34 an der Zahl, datieren vom 15. Tebeth des Jahres 558 2. Jänner 1798. Sie wurden vom damaligen Prager Oberjuristen, Rabbiner Jakob Günzburg,1) dem sie zur Begutachtung vorgelegt wurden, für notwendig und gut befunden und daher auch Montag den 2. Nissan desselben Jahres (20. März 1798) bestätigt und gefertigt. Aus einigen Wörtwendungen der Statuten jedoch ist vielleicht zu entnehmen, dass der Verein schon vor 1798 bestanden hat, doch haben sich erst in diesem Jahre die Mitglieder aufgerafft, x) R. Jakob, Sohn des David (gest. 19. Cheschwan 1776) Günzburg und Enkel des auf dem Wege nach Palästina in Sidon verstorbenen Prager Rabbinatsassessors Moses Günzburg, war einer der bedeutendsten Schüler des Prager Rosch-Beth-Din R. Maier b. Ephraim Fischl Bunzlau, der eine Tochter des genannten R. Mosche G. zur Frau hatte u. sonach ein Oheim von R. Jakob G. war. Mehr als 40 Jahre gehörte er dem Prager Rabbinatscollegium zur Wirkungszeit des grossen „Nöda Bijehuda"an. Ausserdem war er Direktor einer dortigen hohen Talmudu. Dezisorenschule, aus welcher viele berühmte Rabbinen u. Gelehrte hervorgingen. Einer dieser war der nachmalige mähr. Landesrabbiner R. Nahum Trebitsch, der noch bei Lebzeiten seines Lehrers — da dieser im Alter völlig erblindete — und nach dessen Tode an dieser Schule die Vorlesungen hielt. Ein bleibendes Andenken schuf sich R. Jakob G. durch sein 1814 herausgegebenes Werk „Sera Jakob" über die 2 Talmudtraktate „Berachoth u. Sabbath", in welchem er auch geistreiche Auslegungen gewisser schwieriger Talmudstellen von seinem erwähnten Grossvater citiert. Hervorragende Rabbiner — selbst aus dem Ausland — wandten sich an ihn wegen Erteilung einer Druck-Approbation. Einer von diesen ist sein 14