Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 4 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 2)
- Language
- German
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Wallensteins Stellung zu den Juden. — Ein Gedenkblatt zum dreihundertsten Todestage des Generalissimus. — Von Prof. Dr. Emil Hofmann, Rabbiner in Reichenberg. Am 25. Feber ds. Jahres wird das dritte Jahrhundert sich vollenden, seitdem der Herzog von Friedland in Eger Mörderhänden zum Opfer fiel. Mit Recht sagt der Dichter, der den Kriegshelden zum Helden einer dramatischen Trilogie erkoren hatte, von seiner heissumstrittenen Gestalt: „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Es scheint jedoch, als ob in einem Punkte sein Verhalten eindeutig gewesen wäre, nämlich Juden gegenüber. Soweit wir bis jetzt über diesen Gegenstand unterrichtet sind, Hess Wallenstein, wie überhaupt führende Männer seines Schlages und von seiner Grösse den Juden Gerechtigkeit wiederfahren und brachte ihnen viel Wohlwollen entgegen. Der siegreiche Heerführer war ein zu gewiegter Merkantilist, als dass er nicht die Bedeutung der Juden für den Handel erkannt und gewürdigt hätte. Er suchte daher sie heranzuziehen und ihre Fähigkeit für seine eigenen Ziele und Zwecke dienstbar zu machen. Auch als Herzog von Meklenburg hatte er Interesse für die zu seinem Machtbereiche gehörende Stadt Glogau. Vertreter dieser Stadt sprachen bei ihm vor und sie legten ihm dann ein „Memorial" vor und ihre „Bedenken" dar. Da heisst es u. a.: „Weile sonsten in vornehmen Handelsstädten keine Juden, weilen sie der verterb aller Commertien sein, zu finden, wird vermeinet, dass dieselben gänzlich abzuschaffen seien." (Herrn. Hallwich: „Briefe und Dokumente zur Geschichte Wallensteins." Wien, 1912 III. B. p. 413.) Es ist kaum anzunehmen, dass der Herzog die Meinung der guten Glogauer, Juden seien der „Verderb aller Commerzien" geteilt hätte, sondern im Gegenteil,. 1