Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 133 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Volkskunde. Von Dr. Franz J. Beranek, Neiihaus. Geburt und Tod sind seit Urbeginn der Welt das A und Ö jedwedes Menschendaseins, das, unbeschadet der wunderbaren Einmaligkeit des menschlichen Einzelschicksals, zu allen Zeiten und in allen Zonen denselben ewig gleichen Inhalt hat: Jugend, Lebensblüte, Alter, Paarung, Arbeit, Lust und Leid und die ewige Sehnsucht nach dem Großen, dem Schönen, dem Göttlichen. Verschieden jedoch sind bei den einzelnen Völkern und zu einzelnen Zeiten die äußeren Formen dieser Bausteine des Lebensinhalts. Außer durch ihre Körperlichkeit unterscheiden sich die einzelnen Völker auch durch Lebensgewohnheiten und Wirtschaftsmethoden, durch Siedlung, Hausbau, Hausrat und Tracht, durch Feste und Bräuche, durch Sprache, Volksdichtung und Volksglauben. Die Wissenschaft, die sich mit diesen Dingen, soweit diese nicht individualistischen Charakter tragen, sondern Gemeingut des ganzen Volkes sind, befaßt, ist die Volkskunde. Obzwar verhältnismäßig wenig bekannt, ist die Volkskunde doch keine ganz junge Wissenschaft mehr. Ist sie doch in ihrer ersten, schwärmerischen Form ein Kind der Romantik. In den letzten Jahrzehnten jedoch hat sie sich durch Einführung moderner Methoden und konkreter Problemstellung ihren Platz unter den anerkannten Wissenschaften siegreich erobert. Bei allen Völkern, besonders denen Europas, wird heute Volkskunde betrieben. Eifriger bei den einen — so den Deutschen und den Finnen — nebensächlicher bei den anderen. Zu diesen sind leider auch die Juden zu rechnen. Es soll hier nicht die Frage aufgeworfen werden, ob die Juden ein Volk im gebräuchlichen Sinne des Wortes darstellen. Jedenfalls bilden sie, nicht nur in Osteuropa, wo an ihrer Volkheit niemand zweifelt, trotz Emanzipation und Assimilation einen scharf umrissenen Lebenskreis, der seine besondere Volkskunde hat. Es ist also durchaus angängig, beispielsweise von jüdischer Tracht, jüdischen 13*