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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-02-01 · 2 (Februar 1933) · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 105 (sequence 41)
Language
German
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gemacht.39 Auch darf man nicht außerachtlassen, daß gerade um diese Zeit die von dem blutrünstigen und raublustigen fränkischen Edelmanne Rindfleisch, der sich anmaßte vom Himmel berufen worden zu sein, um die angeblich in seiner Vaterstadt Röttingen (Frankenland) am 7. Ijar 20. April 1298 verübte Hostieraschättdung — die gestohlene Hostie hat nachdem sie in einem Mörser zerstoßen worden war, Blut fließen lassen — zu rächen,40 wahrscheinlich zuerst erhobene Beschuldigung der Hostienschändung weite Strecken in Deutschland in siedende Erregung gegen die Judenheit versetzt hat. Namentlich Franken, Bayern, aber auch Österreich wurden von einem fiebernden Paroxysmus gepackt und nicht weniger als 140 Gemeinden mit etwa hunderttausend Seelen wurden in Deutschland Opfer dieser infamen Beschuldigung. In Österreich waren Opfer dieser Raserei Laa, im Jahre 1298;41 Korneuburg, etwa 1302 oder 1305;42 St. Pölten, etwa 1306.43 Aus jener Zeit des wahnwitzigen Blutrausches stammt auch jene ergreifende Klage des Jekütiel b. Isaak, die also lautet: Für Deine Knechte ist der Stahl geschliffen, Und die Besten werden aufgegriffen, Mit Dornen sie gepeinigt, Junge Mädchen zu Tod gesteinigt; — Aus finsterer Haft hör ich Klagetöne, Ach, ihr seid es, meine Söhne! Ich erzittere bei dem Geschrei. Zum Scheiterhaufen hingetragen, Sterben sie ohne Zagen Dem Einen treu und frei; Die lebend man begraben Werden Räucheropfer, Tempeligaben.44 Wäre es da verwunderlich gewesen, wenn bei so aufgewühlten Leidenschaften — denn wehe der Menschheit, wenn der Blutrausch über sie kommt — die Welle des Hasses auch vor der Steiermark nicht Halt gemacht hätte! Gewiß, es ist anzunehmen, daß da und dort — sicherlich aber nicht in Fürstenfeld — auch in der Steiermark die Not des Volkes und die bis zur Siedehitze aufgestachelten Leidenschaften sich zu Ausschreitungen haben hinreißen lassen — solches soll ja nach dem Mittelalter auch noch vorgekommen sein 105

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