Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 311 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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durch der Tabakverbrauch zum Schaden des Ärars arg verkürzt werde. Trotz der dem David Lazar auf sein Ansuchen beigestellten Assistenz gegen die Stadt Kaaden dauerte es bis Juni 1772, daß der Jude Simon Lichtenthai aus Dehlau (Bez. Kaaden), gewöhnlich Lazar Schimmel genannt, es wagen durfte, als Tabakverleger in Kaaden einzutreffen. Sein Erscheinen erregte aber die auf ihre Privilegien eifersüchtigen Bürger so sehr, daß ein Aufstand zu befürchten war und Lichtenthai unter Militärbedeckung eingeführt werden mußte. Auch hernach war er noch längere Zeit gezwungen, vor seiner Behausung (jetzt Haus Nr. 95 der Schmidtgasse) eine Militärwache, welche das hier liegende Dragoner-Regiment „Prinz von Zweibrücken" stellte, auf eigene Kosten zu unterhalten. Wie sehr übrigens Kaaden als judenfeindlich bekannt und gefürchtet war, beweist, daß der im Jahre 1781 zum Rechnungsführer über das Kaadner Tabakgefälle ernannte Emanuel Lazar den Mut nicht aufbrachte, sich mit einem Gesuche um Anweisung einer Wohnung an den Magistrat zu wenden, weil er von vornherein einer schroffen Ablehnung sicher war. Hiefür erteilte ihm seine zuständige Behörde einen Verweis und ersuchte zugleich den Magistrat in freundlichen Worten, in dieser Sache keine weiteren Schwierigkeiten zu machen. Er gab auch wach, aber die Bürgerschaft fühlte weiter die Anwesenheit einiger Juden wie einen Pfahl im Fleische und, um sich davon zu befreien, brachte der Bürgerausschuß ein Majestätsgesuch mit der Bitte ein, den jüdischen Tabakverleger abzuschaffen und den Tabaku. Siegel-Distriktsverlag einem Christen zu verleihen. Das Gesuch fand die dem Magistrat am 13. November 1791 übermittelte Erledigung, daß, da wider den Juden, welcher schon zu Anbeginn der Tabakgefällspachtung als Verleger in Kaaden angestellt wurde, keinerlei Beschwerde vorliege, er nicht entlassen werden könne; so aber dieser Posten durch den Tod des Verlegers oder seine Enthebung wegen tadelhaften Verhaltens in Erledigung kommen sollte, werde man ihn mit einem Christen und vorzüglich mit einem um den Staat wohlverdienten Manne besetzen. Im Jahre 1775 ließ hier in Kaaden der Eidlitzer Schutzjude Nathan David seine geldlichen Ansprüche an zwei Kaadner Bürger durch seinen Rechtsfreund vor Gericht vertreten. 311