Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 223 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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reine Fühlen der Seele ist dabei mit Erfolg bemüht, im wirren Zufälligen das sittlich Gesetzmäßige, im eng Beschränkten das gemeinsam Unbegrenzte aufzuspüren. Solche Besinnung auf die eigenen unzureichenden Lebenskräfte, ihre Ergänzung und Verjüngung gibt den zuverlässigsten Wegweiser für die rechte Lebensführung. In diesem allgemeinen, doch leitend bestimmten Sinne mag aui jüdische Familiengeschichten als eine ergiebige Quelle seelischen Lebens hingewiesen werden. Sie zeigen, daß Nord-Amerika, welches unter den Zielländern der vor allem aus dem Osten Europas ausgewanderten Juden an erster Stelle steht, ihre äußern Lebensformen schon im zweiten oder dritten Geschlecht den dort herrschenden anpaßt; aber noch stärker als diese wirkten auf sie die ungeheuren wirtschaftlichen u. gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit ein. Die Willensschwächen wurden von ihnen aufgerieben, die innerlich Stärkeren aber durch die Wahrnehmung seiner neuartigen Erscheinungsformen nur zu umso kraftvollerer Entfaltung ihrer eigenen Anlagen angespornt. — Die einschmeichelnde Werbekraft der französischen Kultur vermag da, wo der Hinneigung zu ihren reizvoll lebhaft wechselnden Formen der äußern Lebensgestältung keine sichere Willenseinstellung die Wage hält, weit mehr als zu dem unentwegt beharrlichen Ausbau ihres Wirtschaftsbetriebes zu den Verfallerscheinungen ihres gesellschaftlichen Lebens hinzulocken. In Deutschland führt der Drang nach Auswirkung ihrer eingeborenen Fähigkeiten wie auch anderwärts zu sorgsam abgemessener, doch immer engerer Zusammenarbeit mit den anderen. — Vielfach fördert der rege Geist der Landesbevölkerung ihre Beschäftigung mit dem Handel zu seinem wirtschaftspolitischen Ausbau. Die Vermischung mit Andersgläubigen führt durch die Erkenntnis ihrer Abweichungen den im altererbt eigenen Ideengehalt Verwurzelten nur zu diesem wieder zurück. Die in ihm begründete Willensrichtung flößt ihm eine noch stärkere Kraft des Ausharrens zu als der landwirtschaftliche Grundbesitz, da er im Gegensatz zu diesem mit der Beweglichkeit im Denken und Fühlen verbunden ist, die sich allen Äußerungen des Lebens freudig zuwendet, um sie sich zueigen zu machen. So steigert sich seine gewerbliche Tüchtigkeit zum Unternehmertum, zur künstlerischen oder zur Betätigung der geistigen Kultur, der religiöse wandelt sich vielfach zum Geistv der schönen 223