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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-03-01 · 3 (März 1932) · p. Seite 215

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 215 (sequence 53)
Language
German
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Von allgemeiner und jüdischer Stammesaufartung. Von Dr. Max Golde, Berlin. I. Bürgerliche Entartung und Aufartung. Im 12. Jahrhundert wurde der bis dahin herrschende agrarische Charakter des deutschen Wirtschaftslebens von der neben ihm erstarkenden Industrie- und Handelsmacht überwunden. Diese riefen in der städtischen Bevölkerung vielseitige neue Interessen hervor und schufen hier Mittelpunkte des wissenschaftlichen Lebens und aller geistigen Bestrebungen, die fortan auch den bürgerlichen Geschlechtern eine stärkere Beachtung als bis dahin zuwiesen. Denn die Geschichte jeder Landschaft war mit den Geschicken und der Entwicklung ihres Volkstums und ihrer Sippen eng verknüpft. Sichtbare Zeugen von dem damals hervortretenden Bürgersinn sind noch heute die Truhen, Schränke und Bildnisse, die Siegelstöcke, Siegelringe, Wappen, Bücher und die reichhaltige Ausstattung des altväterlichen Hausrats, wie sie das Germanische Museum in Nürnberg angesammelt zeigt. Der kernhafte, auch auf das nebensächlich Kleine gerichtete Bürgergeist des deutschen Heims, der über ihre altfränkisch derben Formen gebreitet liegt, gibt von dem behaglichen Familiensinn jener Geschlechter noch deutlicher Kunde als die kunstreichen Sammlungen des Musee de Cluny in Paris. An dieser Stärkung des städtischen Bürgertums konnten aber die Juden nicht teilnehmen, denn durch die blutigen Verfolgungen der Kreuzzüge wurden sie nach dem Osten hingedrängt, der die dem wirtschaftlichen und geistigen Streben stets erfolgreich Hingegebenen mit Freuden aufnahm, und von wo sie nach Beendigung des Weltkriegs wieder nach dem Westen zurückfluteten. Aber selbst damals und auch späterhin blieben sie von dem Aufblühen der städtischen Kultur nicht gänzlich ausgeschlossen, denn deren Werte wandern unaufhaltsam weiter, sodaß auch die härtesten Bedrückungen ihre Teilnahme daran nicht gänzlich zu unterbinden vermochten. Nur nahmen die häuslichen Einrichtungen durch die religionsgesetzlich 215

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