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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-03-01 · 3 (März 1932) · p. Seite 169

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 169 (sequence 7)
Language
German
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das damals noch zu Großpolen gehörte, wurden Wesselys Sendschreiben, nebst seinen anderen Büchern, verbrannt. So hatte das Toleranz-Edikt Josefs das erregt/was man später Kulturkampf benannte. Wessely selbst, durchaus keine Kampfeher eine schwärmerische Dichternatur, suchte in 3 weiteren Sendschreiben seine Gegner milde zu widerlegen, teilte die zustimmenden Erklärungen mit, die er aus Triest, Venedig und anderen Gemeinden erhalten hatte und mühte sich redlich, jeden feindseligen Anlaß zu beseitigen. Die Juden überzeugten sich bald, daß die Regierung es bei der Ausführung des Toleranz-Ediktes gut mit ihnen meine. Und bald entstanden, durch die Opferfreudigkeit reicher Glaubensgenossen unterstützt, einzelne Lehranstalten, welche die neuen Erziehungsgrundsätze zur Anwendung brachten, junge Leute im Geiste des Judentums heranbildeten, die sich als nützliche Menschen im Leben bewährten. — Wir können es bezeugen, die jüdische Normalschule war eine treffliche Unterrichtsanstalt. Alles jüdische Wissen, das wir uns erwarben, später erweiterten und vertieften, wurde uns, neben allgemeinen Kenntnissen, von strengen, aber wohlwollenden, an Kenntnissen im hebräischen Schrifttum reichen Lehrern dort beigebracht. Daß diese Schulen jemals ihre Schüler vom Judentum abgelenkt und „assimilatorisch" (kein schönes Wort) gewirkt hätten, ist eine Unwahrheit, verbreitet von Leuten, die diese Schulen nicht kennen. — Wessely, der mutige Vorkämpfer für die jüdische Schule im Sinne des Toleranz-Ediktes, starb 80 Jahre alt, 1805 in Hamburg. Er hatte das Glück, zu sehen, daß seine Bemühungen nicht fruchtlos gewesen. Wie, wenn am dunkeln östlichen Himmel ein lichter Streifen den jungen Tag verkündet, so meldet in schüchterner Weise das Toleranz-Edikt auch für die Juden bessere Zeiten an. Es gefällt sich die Geschichte in Gegensätzen. Ein sterbender Kaiser, der sein ganzes Reformwerk zusammenstürzen sieht, auf der einen und auf der anderen Seite die Revolution, die auf den Trümmern der alten Welt eine neue aufbaut. „Alles für das Volk, nichts durch das Volk", war die Devise des aufgeklärten Despotismus. Die Revolution verlangte alles durch das Volk für das Volk. Und sie siegte. Diesem gewaltigen Umsturz verdanken auch die Juden ihre Gleichstellung mit den anderen Völkern. Was später zur Tat wurde, läßt uns das Toleranz-Edikt gleichsam ahnen. Gedenken wir seiner an seinem 150. Geburtstage. 169

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