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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-12-01 · 2 (Dezember 1931) · p. Seite 161

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
2 (Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 161 (sequence 75)
Language
German
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für das Bestehen der Welt, sondern auch das einheitlich sinnbetonte Verhältnis des Atoms zu ihr und des einzelnen zur Ganzheit des Allichs nachgewiesen. Nicht scholastisch logisch wird Gott als das allerrealste Wesen erfaßt, vielmehr erwacht sein metaphysisches Subjekt in dem von seiner urtümlichen Schöpfertätigkeit erzeugten Objekt zum wirksamen Bewußtsein, so daß es als ein Glied in der Mannigfaltigkeit der absoluten Gesamttätigkeit selber zum individuell eingeengten und dennoch absoluten Subjekt wird. Seine uneingeschränkte Freiheit vermag das Einzelwesen nur in dem Fürsichsein seiner persönlichen Abgeschlossenheit zu behaupten. Von hier aus aber kann es durch die freie Unterwerfung des individuellen Wesens mit seinen Einzelheiten unter die absolute Einheit der göttlichen Zwecksetzung den Willen zum Rechten anstreben. Durch die Flucht der naturhaft ursprünglichen Eigensucht zum Allgeist Gottes wächst seine Kraft in der Herrschaft der Glücksgüter der Erde weiter und höher hinauf, so daß in dem ununterbrochen wechselnden täglichen Dasein das innerlich erlebte Weltwesen durch die Gemeinschaftsarbeit festgehalten und verwirklicht wird. Dies allein verschafft all unserem Tun und Gestalten erst seinen wertbetonten Sinn, der das allen Anschauungen der Natur wie des Menschenlebens zugrunde liegende Tätige zum zeitlos zwecksetzenden, rein geistigen Erlebnis erhöht, in dem sich das Einzelmenschliche mit dem absoluten Ich und All so vereinigt fühlt, daß es die Empfindungen seines menschlichen Ichs abstreift und sich über die Grenzen von Bewußtem und Unbewußtem hinaus dem unendlich kosmischen Ich des durch sein Werk in die Erscheinung tretenden Gotteswesens hellseherisch nähert. Zwar wird die hinter allem Wirklichen liegende Geisteswelt nicht durch vernünftiges Erkennen, wohl aber durch praktisches Wirken wiedererlebt. Das Zusammentreffen der verschieden- und eigenartig gebildeten Individualitäten mit den ihrem Sinngefüge naturhaft entsprechenden Gütern bis zum Erleben ihres zeitlos tiefsten Wertes gibt allein die Hoffnung einer neuen einheitlichen, eine ganze Volksgemeinschaft umfassenden Kultur. Dieser die Juden erfüllende Gottesgeist war das mitten in der Welt wirkende geistige Leben selber, das sie mit der lebendigen Gottesidee erfüllte, welche die Zufälligkeiten und Zusammenhänge alles praktischen Geschehens übersteigt und einheitlich zusammenfügt. Ohne einen eigenen nationalen Staat zu bilden, sondern indem sie an den Kulturaufgaben ihres jeweiligen Heimatlandes mit erfolgreichem Eifer mitschufen, wandten sie sich doch einheitlich auch dem überstaatlichen Bestreben zu, das die Wertzusammenhänge mit ihren Auswirkungen der in ihnen zu allen Zeiten lebendig hervortretenden Gottesidee unterordnete. Sie wurden dadurch nicht in ihrer Entfaltung gehemmt oder beeinträchtigt, vielmehr geklärt, vertieft und sinnvoll geleitet. Zu solcher geistigen und Willenseinstellung waren vor allem sie durch das in ihrer Mitte geltende System der Herrschaft des Wortes und den es beseelenden religiösen Geist der Nomokratie vorbereitet, der ihre gesamte Lebenshaltung und Seelenstimmung bis in «lie kleinste Einzelheit genau festlegte, so daß sie von der Masse als heilig 161

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