Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 2 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 104 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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den Gemeindeniitgliedern und bildete auch dort sehr viele Schüler aus. R. Pinchas war eine selbständige Natur, beugte sich nie vor rabbinischen Größen, achtete keine Autorität, selbst die Ansichten älterer Koryphäen waren für ihn nicht unbedingt maßgebend, sondern er prüfte alles, auch jede Einzelheit, mit seinem hellen kritischen Verstände. Selbst der „Schulchan Aruch", der schon damals als religiöses Gesetzbuch bei der Gesamtjudenheit anerkannt wurde und dessen Entscheidungen als unumstößliche Norm galten, war für ihn nicht bindend. Er entschied immer nach seinem Gutdünken. Er lehnte sich mehr an Ascheri [R. Ascher b. Jechiel] an, den er sehr verehrte und hochschätzte und dessen Halachoth er wie kein zweiter, buchstäblich auswendig wußte. Als man ihm vorhielt, daß seine Entscheidungen dem Schulchan Aruch widersprächen, antwortete er: ,,Auch ich besitze so viel Autorität und Selbständigkeit, um bei Meinungsverschiedenheiten, selbst Entscheidungen zu treffen."3) Kein geringerer als R. Simson Bacharach nahm von ihm eine Approbation auf sein Werk, mit der Bemerkung, daß R. Pinchas Horowitz, ein bedeutender Halachist sei, dessen Entscheidungen überall anerkannt werden.2) R. P. Horowitz starb hochbetagt, am Montag den 13. Marcheschwan 1653 in Prag3) und wurde von der ganzen Gemeinde tief betrauert. Dreißig Tage hintereinander wurden Trauerreden über ihn gehalten, denn er hatte nicht seinesgleichen in der Gemeinde zurückgelassen.4) Er war zwei Mal verheiratet. Seine erste Frau Lifet war die Tochter des scharfsinnigen Talmudisten R. Bezalel, Rabbiners in Kolin, Sohnes des Hohen R. Löb von Prag, welche in ihrer Jugend kinderlos starb. Seine zweite Frau, Schönde'l, war die Tochter des wohlhabenden Abraham Gumpeles in Prag, welche am Sonntag den 27. Siwan 1655 in Prag gestorben ist.") Von ihren Kindern sind 1) R. G. A. Chawath Jair Nr. 127. 2) a.. a. O. Ende. 3) Gal Ed. Nr. 138. Er wird von mehreren Historikern irrtümlicher Weise mit seinem Verwandten R. Pinchas H. in Krakau identifiziert. 4) Seder ha-Dauroth I Ende. 5) Perles, Megillat Juchassin; Hock, die Familien Prags. 92. 104