Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 70 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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% unter Berufung auf den „Revers" Protest ein, den der Magistrat mittelst Dekret vom 18. Mai 1685 auch zu Recht erkannte. Isak hinterließ drei Söhne; diese übertrugen das Eigentumsrecht auf den Friedhof an ihren Oheim Israel, der mittlerweile seiner großen Gelehrsamkeit und seines frommen Wandels wegen als Rabbiner nach Brody berufen worden war. Damit der Friedhof unter fortgesetzter persönlicher Aufsicht stehe und sein unversehrter Bestand aufrecht erhalten werde, veräußerte Israel Frankel denselben im Jahre 1696 an den historisch bekannten Samuel Oppenheim, Hoffaktor des Kaiser Karl VI. Die Urkunde ist in hebräischer Sprache verfaßt und bestimmt, daß ihm gegebenen Falles frei stehe, den Friedhof „zu verkaufen, zu verschenken, zu vermieten, zu vertauschen und zu verpfänden". Samuel Oppenheim verkaufte nach mehrjährigem Besitze den Friedhof der Wiener jüdischen Gemeinde, in deren unangetastetem Besitze er bis zum heutigen Tage auch fortan verblieb. Als auf Befehl Kaiser Josefs II. im Jahre 1784 alle Begräbnisstätten außerhalb Wiens verlegt werden mußten, schonte der sonst historische Überlieferung eben nicht immer beachtende menschenfreundliche Monarch diesen Friedhof in Anerkennung des hier dargestellten Besitzrechtes und ließ ihn fortbestehen; doch durften die Toten auf demselben nicht mehr beerdigt werden. Meine Vorfahren waren, wie ich bereits erzählt habe, nach Fürth bei Nürnberg ausgewandert. Wegen ihrer Frömmigkeit, schriftgelehrten Eigenschaften und rechtschaffenen Charakters wurden sie, vom Vater auf den Sohn forterbend, zu Vorstehern der Gemeinde gewählt. Erst nach einem Jahrhunderte wagte es einer von ihnen in sein Heimatland, nach Österreich, zurückzukehren. Loser, oder wie er sich deutsch nannte, Lazar Fränkel kam nach Kuttenplan. Ich weiß es nicht, was ihn just dahin führte, wenn es nicht der vornehme Ruf der Familie Hönig war, der ihn lockte. Es scheint aber, daß ihn mehr der Ruf. der Schönheit der Tochter des Herrn Löbel Hönig reizte. Das Ehepaar Löbel und Peßel Hönig war mit 4 Söhnen und 3 Töchtern gesegnet. Der betriebsame Vater hatte eine neue Beize für den Tabak erfunden, die denselben bedeutend verbesserte, und entwarf mit seinen Söhnen ein weitaus praktischeres Administra- 70