Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Familie Frankl. Von Ludwig August Frankl. „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, Der froh von ihren Taten, ihrer Größe Den Hörer unterhält und still sich freuend Ans Ende dieser schönen Reihe sich Geschlossen sieht." Zwei Märtyrer entsproßten meiner Familie. Das Andenken des einen, der eine glaubenstreue, opfervolle fromme Tat vollbrachte, ist in den Akten des Wiener Stadtarchives dokumentarisch erhalten. Der andere, dessen tragisches Ende sich chronikalisch erhalten hat, lebte zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Prag, wo er auch seinen martervollen Tod fand. Ich habe seine Gestalt in meinem epischen Gedichte „Der Primator,, wieder aufleben gemacht. Der nachweislich älteste Ahn meiner Familie hieß Kopel Fränkel, seine Söhne Isak und Israel Fränkel. Ich habe mir eine Geschichte der Juden in Österreich nicht zur Aufgabe gestellt; nur eine Episode muß ich schildern, weil sie mit einem Erlebnisse meiner Vorfahren zusammenhängt. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wohnten die Juden im sogenannten obern Wörth in Wien, dessen Namen zu Ehren des Kaisers Leopold in die heutige Bezeichnung Leopoldstadt umgewandelt wurde. Sie besaßen da 132 Häuser, die Namen der Besitzer sind noch in einem genauen Verzeichnisse erhalten. Die Kaiserin Margarethe, eine spanische Prinzessin, hatte das Unglück eine Fehlgeburt zu tun. Die Geistlichen gaben der Anwesenheit der Juden schuld daran. Selbst der Kardinal Kolonitsch predigte gegen sie vor dem versammelten Hofe und pries deren Austreibung als eine gottgefällige Tat. Es nützte den Juden nicht, daß sie der Kaiserin für das anzuhoffende Kind eine goldene Wiege gespendet hatten. Der fromme Kaiser, wohl den Unsinn erkennend und sich der unschuldigen jüdischen Familien erbarmend, gab der von der Klerisei in den Bürgern aufgewiegelten feindlichen Stimmung nichts destoweniger nach. Er erließ den vom 10. Juli 1669 datierten Befehl, daß die Juden Wien und Nieder- 67