Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1910-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 4-5
Article
Bodenreform in Alt- und Neu-Israel
Date
1910-01-01
Page
Seite 95 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379827-2379832-2416439--02972-2416511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des Eigentums kommen, die das Jubeljahr alle halbe Jahrhundert einmal aasgleichen wollte. Unter ihrem Schilde ist jedem der Wohlstand, allen die Gleichheit gewährleistet; überlegene Kraft und Klugheit geniessen wohl höheres Ansehen und Einkommen, können aber den Schwächeren nicht unterdrücken. Heute, wo der jüdische Stamm, heimatlos und vom Bodenbesitz ausgeschlossen, sich wieder. seiner. Einheit bewusst wird und mit allen Kräften danach ringt, durch neue Verwurzelung mit der Erde seiner alten Vätarheimat wieder zum Volk zu werden, kehrt er zu den alten heiligen Ackergesetzen zurück, wenn er auf der modernen Genossenschaft aufbaut. Hierzu bietet die Einrichtung des Jüdischen Nationalfonds die gegebene Grundlage, da seine Bestimmung ist, Grund und Boden in Palästina und seinen Nachbarländern als Gesamtbesitz des jüdischen.Volkes für ewige Zeiten zu erwerben. Die Siedlungsgenossensehaft, die Genossenschaft des Besitzes und des Betriebes, vom Zionisten-KongresseJn Hamburg einstimmig beschlossen, soll aut diesem vom Nationalfonds in Erbpacht erworbenen Boden den Anfang bilden zur Verwirklichung einer tioffnung vonzwei Jahrtausenden, soll der erste Versuch sein, die Ketten der wirtschaftlichen, sozialen und teils auch politischen Knechtung zu zerreissen, in denen acht Millionen unserer Stammes- und Glaubensgenossen, zwei Drittel unseres Volkes schmachten. ~. Überflüssig, die Segnungen der Genossenschaft zu schildern! Sie hat sich, wo sie erprobt wurde, als die sturmfreie Feste erwiesen, die ihre Mitglieder vor Armut und Verfall schützt, als das Werkzeug, das den Wohlstand und die Sittlichkeit herauf zaubert; von allen Arten der Genossenschaft aber hat keine entfernt so Wunderbares geleistet wie die bäuerliche Besitz- und Betriebsgenossenschaft. Sie wird sich auch hier bewähren, dessen sind wir sicher. Sie wird jüdische Handwerker und Hausierer zur Landarbeit erziehen, sie wird aus zersplitterten jüdischen Proletariern freie, gedeihende Bauern machen, um die sich das Cand der Genossenschaft schlingt, das ihren Verband unzerbrechlich macht wie jenes Pfeilbündel des arabischen Märchens. Aber sie wird mehr leisten als nur die Umschaffung von Luftmenschen in Bauern, die im Vollgenuss aller Kulturgüter, selbstbewusst und hochgebildet, in Freiheit auf der unverlierbaren väterlichen Scholle wirken. Wer Bauern schafft, schafft auch Städte! Wo der Bauer-Nahrung zu Markte zu bringen hat, gedeiht das Handwerk und der Handel, erblüht Kunst und Wissenschaft. Und so ist denn auch das letzte Ziel, auf dem Fundament des bäuerlichen Wohlstandes das stolze Gebäude einer reich gegliederten Volkskultur aufzurichten. Dazu freilich wäre die Grundlage einer einzigen Siedlungsgenossenschaft viel zu schmal. Aber es wird auch nicht bei der einen bleiben! Der erste Varsuch wird zeigen, dass hier eine Kreditbasis gegeben ist, wie keine andere wirtschaftliche Organisation sie entfernt besitzt. Nicht Almosen erbitten wir, sondern eine Beteiligung an dem grossen Unternehmen, Kredit fordern wir von denen, die helfen können. Und wenn wir ihn, wie es unsere Absicht ist, ausreichend verzinsen und pünktlich amor- 95

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.