Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Rischon-le-Zion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 2)
- Language
- German
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bringt; das Ganze liefert einen interessanten Beitrag zur Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina. Es waren nissisch-jüdische Einwanderer, die an jenem 15. Ab des Jahres 188g auf dem Wege zwischen Jaffa und Gaza, anderthalb Stunden südlich von Jaffa und etwa eine Stunde vom Meere entfernt, eine Bodenfläche von 300 ha erwarben. Guten Mutes gingen sie an die harte Landarbeit, aber unausbleiblich waren bei ihrer Unerfahrenheit im Ackerbau und ihrer Unkenntnis der Kolonisationsmöglichkeit des Landes grosse Fehlgriffe und herbe Enttäuschungen. Trotzdem erlahmten sie in ihren Anstrengungen nicht und hielten dem Erdreich durch Erfolge und durch Misserfolge hindurch die Treue. Als der Sandboden sich trotz jahrelanger Bemühungen für untauglich zum Getreidebau erwies, griffen sie unverdrossen zu anderen Zweigen des Ackerbaues, sie pflanzten an den Berghängen Weingärten und in den Niederungen Fruchtbäume. So haben sie in Judäa dem Rebenbau und der Weinbereitnng eine Stätte bereitet; freilich nicht, ohne dass ihnen von Westeuropa aus den Kreisen kolonisationsfreundlicher Glaubensgenossen Hilfe, in kritischen Zeiten wohl gar Rettung kam. Vor allein nahm sich der Baron Edmund von Rothschild in Paris tatkräftig ihrer an, indem er Millionen gerade in diese Kolonie steckte. So wuchs die junge jüdische Bauernsiedelung an Seelenzahl und an Grundbesitz. Gegen Ende des Jahres 1882 waren es etwa 20 Familien mit 100 Seelen, 1890 zählte man 266. Fünf Jahre später war die Kolonie auf 450 Seelen und 1898 auf 531, ausschliesslich der Tagelöhner und der zahlreichen Verwaltungsbeamten, angewachsen. Heute rechnet man etwa 200 Familien mit über 800 Seelen. Die Anzahl der Wohnungen vermehrte sich von 44 im Jahre 1890 auf 62 im Jahre 1898; der Grand und Boden umfasste damals 618 ha und umfasst heute 1150 ha. Unter der Bevölkerung sind jetzt alle Handwerker vertreten; ausserdem gibt es 5 Läden, 2 Hotels, eine Sodawasserfabrik und — einen Antiquitätenhändler. Auch die Kultur des Bodens ist im Laufe der Jahre vielseitiger geworden. Zunächst hatte man ausschliesslich den Weinbau betrieben. Ueber anderthalb Millionen Weinstöcke sind aus Amerika eingeführt und mit französischen Sorten gepfropft worden, um die Stöcke gegen die Reblaus zu schützen. Für Herstellung und Lagerung der Weine sind zwölf riesige Kellereien erbaut und mit modernen Maschinen, Pressen und Kühleinrichtungen ausgestattet worden, sodass sie sogar in Europa an Umfang und Einrichtung ihresgleichen suchen. Als Arbeitskräfte werden in den Kelleiräumen und in den Maschinenwerkstätten nach Möglichkeit nur Juden verwandt, die alle Arbeit, leichte und schwere, geistige und körperliche, verrichten. Die Fässer werden in der eigenen Böttcherei hergestellt und die Flaschen werden aus der eigenen Glasfabrik in Tantura bezogen. Die Kolonie erzeugt jährlich etwa 15000 hl Wein neben einem beträchtlichen Teil guten Kognaks; die Qualitäten sind sehr v< rschieden, neben leichten und schweren Bordeauxweinen wird ein süsser Wein aus Alicantetrauben hergestellt.