Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Von Ghetto zu Ghetto
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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den. Die Täler von Jehosaphat und Hinnom („Gehenna", die traditionelle Hölle der Verdammten) liegen nicht mehr so tief, wie in alten Zeiten. Die zahlreichen Schichten von Geröll und Schutt sind jetzt so angewachsen, daß man von der Talsohle aus mit einem Schirm an den Robinsonbogen heranreichen kann, den Ausgangspunkt der berühmten Brücke, die den Tempel mit dem Ölberg verband. Und doch war nach Josephus die Tiefe so groß, daß niemand auf der Brücke stehen und abwärts sehen konnte, ohne schwindelig zu werden. Trotzdem ist die Höhendifferenz zwischen den bewohnten Stadtteilen und dem natürlichen Graben, der die Stadt umgibt, auch heute noch gross genug, um für Drainagezwecke benutzt werden zu können. Das „Misttor" mit seinen jetzt geschlossenen Kloaken, die zu dem Altar Hebron. (Aus E. N. Adler „Von Ghetto zu Ghetto".) im Tempelhofe führten, ist genügend nahe, um zu zeigen, dass solche Gesundheitsmaßregeln dem König Salonio schon vor 3000 Jahren nicht unbekannt waren, und die Türken haben viel zu tun, um gutzumachen, was sie in Verfall geraten Hessen. Das Interessanteste in Palästina ist nach meiner Ansicht das unterirdische Jerusalem. Es wird durch die in den Sandsteinfelsen gebildeten Steinbrüche gebildet, die Salomo die massiven Steine für seinen Tempel lieferten und auch das Material boten, aus dem vierzehnmal ein neues Jerusalem erbaut worden ist. Sie sind von ungeheurer Ausdehnung und bilden ein Netzwerk von langen und weiten, aber vielfach verschlungenen Stollen, von denen der Felsen wimmelt. In dieses Labyrinth gelangt man durch einen engen Eingang nahe dem Damaskustor. Früher war es für jedermann geöffnet, und der Irrgang, zu dem es führte, 62