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Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 253

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Reise durch Jemen
Date
1912-01-01
Page
Seite 253 (sequence 7)
Language
German
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Als ich nach Aden kam, fand ich Folgendes: Sechshundert Personen ungefähr waren bereits abgereist, einige schon in Palästina, andere auf dem Wege dahin. Binnen einiger Tage sollten neue Gruppen eintreffen und viele andere stehen in Vorbereitung zu kommen. Am 15. Oktober ist in Jerusalem Frau Selma (Sulamith) Ruppin, die Gattin Dr. Arthur Ruppins,des Leiters des Palästinaamtes in Jaffa, in jungen Jahren gestorben. Die Verblichene hat vor drei Jahren in Jaffa, später auch in Jerusalem eine moderne Musikschule gegründet und sich dadurch um die Pflege dieser Kunst, der das jüdische Gemüt so zugänglich ist, große Verdienste und dadurch dauerndes Andenken erworben. Sie nahm außerdem an den humanitären Institutionen des Frauen-Kulturverbandes leitenden Anteil. Bücherschau. M. Philippson: Neueste Geschichte des jüdischen Volkes. 3 Bände. In recht ausführlicher Weise erscheint durch vorliegendes dreibändiges Werk, die Grätz'sche Geschichte bis in die unmittelbare Gegenwart ergänzt. Der Zeitpunkt, bei dem die neueste Geschichte beginnt, ist mit der französischen Revolution richtig gewählt. Am sorgfältigsten ist — im ersten Bande — die Emanzipationszeit dargestellt, mit all ihrem Idealismus, ihren Ueber— treibungen und Oberflächlichkeiten. Im Vordergrunde der Darstellung steht allerdings das Moment der äußeren Politik, das für diese Periode einen, ziemlich einheitlichen Charakter trägt. Die Vorgänge im Innern des Judentums, namentlich die Reformfrage auf religiösem, jüdische Wissenschaftauf kulturellem, die wirtschaftliche und soziale Hebung größtenteils in. individuellem Sinne, sind ja da enge mit der Grundrichtung der Emanzipation verkettet. Jüdisches Eigenleben — über das Individuelle oder Gemeindeleben hinausreichend — beginnt erst eigentlich wieder mit dem Erwachen des Nationalismus. Diesem abgeneigt, anerkennt der Verfasser den Wert der jüdisch-nationalen Strömungen bloß als Mittel zur Steigerung des jüdischen Selbstbewußtseins, während er doch dieses selbst als selbständigen Lebensausdruck der Nation betrachten sollte. Durch die- Verkennung der Bedeutung und inneren Intensität des jüdischen Nationalismus gegenüber den verschiedenen sozialen und philanthropischen; oder Abwehrbestrebungen verschiebt sich der Standpunkt richtiger Einschätzung für die Ereignisse der letzten 30 bis 40 Jahre. Allerdings muß betont werden, daß der Verfasser — all dies ist im dritten Bande dargestellt — den Lebensäußerungen des Nationalismus, auch der Kolonisationsbewegung im Einzelnen gerecht wird, ja einigermaßen sogar der Kulturbewegung, ohne aber die Grenze festzusetzen, wo die fortschreitende 253-

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