Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Reise durch Jemen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wird — wehe euch! Ihr werdet unter den Völkern untergehen, durch Zwangsbekehrung, durch Hunger und durch Schwert. Nur wer an dem Leid der Gemeinschaft Anteil nimmt, wird ihres Trostes gewürdigt! Das klang ihnen neu, rätselhaft und aufweckend. Wer weiß: vielleicht ist wirklich das Ende gekommen! Oder es ist nahe? Dann muß man wirklich hinaufwandern. Außerdem, wenn es eine Möglichkeit gibt, im Lande sein Brot zu finden — „wer in Erez-Israel wohnt, dem werden seine Sünden verziehen". Wie immer, das Herz wird bewegt, und man beginnt nachzudenken. Ende dem „Golus Teiman!" Was durch Jahrhunderte währte, plötzlich vollendet!--- So war die Stimmung eines Teiles der Bevölkerung. Ein Teil blickte die Sache anders an. „Die wirkliche Erlösung ist noch nicht gekommen; ihr habt kein Zeichen dafür. Wir gehen nicht. Und euer Drängen geschieht zur Unzeit". Noch gab es andere Antworten. „Wir haben kein Reisegeld. Wenn ein Schiff aus Erez Israel kommen wird, um uns, jung und Alt, mitzunehmen, dann werden wir gehen". Zumeist zeigte sich gar kein besonderes Interesse, an der Art, zu leben in Palästina, sich dort festzusetzen. Nur hingehen, den Boden küssen und dort sterben — genug gewürdigt zu werden, das Land einmal zu sehen. In solch starker Sehnsucht kann man eine sehr große potenzielle Kraft erblicken: wirkliche Volkstreue. Manchmal aber auch etwas anderes: die Ansicht, auf einmal von aller Sündenlast, von allen künftigen Höllenstrafen befreit zu werden. Denn „wer vier Ellen in Erez Israel wandert, dem werden seine Sünden vergeben." Und gar, wenn Erez Israel mit einem Opfer erkauft wird, wie einer Reise von Jemen nach Palästina. Alle Schönheit in Erez Israel ist göttlich, alle Schönheit außerhalb des Landes ist wie ohne Gott. Manchmal kostete es viele Mühe, die Menschen aus dieser ihrer Phantasiewelt in die Wirklichkeit zu führen, ihnen zu erklären, daß es nicht darauf ankommt, was nach ihrem Tode, sondern was noch in ihrem Leben geschehen wird, daß sie nach Palästina gerufen werden gerade zu physischem Leben und zu physischer Arbeit. Auch da gab es wieder manchen Anstoß: „Und wenn ihre Arbeit andere tun?" Oder: „Das sauberste und leichteste Handwerk ist Schneiderei" u. s. w. Und ich rufe sie plötzlich nach diesem Palästina, um Bodenarbeiter zu sein bei Anderen. Solche Hoffnungen, die die dunkle Welt des Juden, solange er im Golus lebte, verschönten, müssen plötzlich eine andere Form annehmen, man muß die Erde selber aus dem Himmel der Phantasie herunterholen. Es schien, daß Palästina selbst rein geistig sei. Was es ehemals war: Volk, Felder, Weinberge — verschwunden, Jetzt nur die vier heiligen Städte mit teueren, heiligen Gräbern: das ist Erez Israel. Und in Zukunft? Ein Jerusalem aus Feuer, das Gott selbst wieder aufbauen wird. Man mußte das Land selbst ihnen physisch machen, ihnen erzählen, daß da einfacher Erdboden ist, den Menschen bebauen, und v/as man auf 248