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Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Kritisches über das Erziehungs- und Schulwesen
Date
1912-01-01
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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nisse vorlägen. Ein Uebel, das in Palästina vielleicht doch wenigstens geringer ist, als sonst im Orient, ist die große Zahl der unterrichteten Sprachen. Insbesondere will Czernowitz das Arabische, das in Palästina Markt- und nicht Kultursprache sei und das Türkische, das nur für Beamtenkandidaten überhaupt notwendig ist, aus den Schulen entfernt wissen. Er rügt auch das Fehlen landwirtschaftlichen Unterrichts sowie einer engeren Einheit der Schulen untereinander. Einschneidender ist noch seine Kritik über die allgemeinen Erziehungsverhältnisse die allerdings vielleicht weniger als Tadel wie als Beobachtung einen Sinn hat: es mangle im allgemeinen in der Erziehung an einer ernsten Vergangenheitstradition — während die neuen Erziehungsideale vielfach etwas Künstliches, Mechanisches an sich tragen — und auch an einer im eigentlichen Sinne erzieherischen Tendenz. Wenn in diesen kritischen Aeußerungen auch manches übertrieben erscheint, so bleibt doch manches übrig, was ernster Erwägungen wert wäre. Die Juden im Jemen leben ökonomisch so wie die Juden in allen Golusländern: sie sind Handwerker und kleine Händler. Mit dem Ruf also zur Heimkehr nach Palästina war der Ruf verbunden nach Aenderung der Lebenswerte: die Arbeit wieder zu schätzen, das Geld, die Quelle des Unreinen gering zu achten, all die Krämerei und das Nagen an fremden Tischen zu lassen und den Boden, der Quelle des Reinen zu lieben. So pflegte ich sie "aufzufordern, von Gottes Tisch: dem Felde zu genießen, aus erster Hand, aus direkter Quelle, nicht erst durch Vermittlung der Menschen. Ich pflegte ihnen zuzurufen: ^Vertrauet nicht auf Menschen! Bearbeitet den Boden, vertrauet auf Gott, wenn ihr säet, so betet, daß er eure Arbeit segne. Reinigt eure Seelen, wenn ihr in Palästina wohnt und von der Landarbeit lebt, die ehrlich und rein ist, und fliehet den Handei, in dem viel Betrug, Sünde und Wucher ist." Ersteht ein Volk an einem Tage? Alles hörte man wie durch einen Schleier der Phantasie. Nicht das erhoffte die gequälte Seele zu hören — kein Messias, keine Wunder, keine große Posaune, keine Adlerschwingen — was denn? Genug, so zu leben, ohne Anteil am Aufbau des Landes! Jahrhunderte saßet ihr hier und habt nur empfangen. Den Talmud habt ihr von dort empfangen, aus der Ferne, die Bücher Rambams, die Schriften des „Ari"' — alles empfanget ihr nur. Wo sind eure schöpferischen Großen? Wo sind die Bausteine, die ihr für das nationale Leben herbeitragt? So seid ihr jetzt verpflichtet, Kräfte dem Lande zu geben. Eure besten Kinder schickt dahin, an dem Aufbau des Landes zu schaffen. Wenn ihr hier warten werdet, bis euch dort ein gutes Leben gezimmert Reise durch Jemen.*) Von S. Jabneeli (aus dem Hebräischen). (Schluß.) 247

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