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Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 246

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Kritisches über das Erziehungs- und Schulwesen
Date
1912-01-01
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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gegründete Blindeninstitut, und die beiden Weisenhäuser : das aschkenasische und das sephardische. Die seit einigen Jahren von der Frankfurter freien Bereinigung übernommene „Tachkemonischule" in Jaffa führt mit Unrecht den Namen Mittelschule, da der Umfang des Lehrstoffes den der früheren Elementarschule kaum überschreitet. Einer eigentümlichen „religiösen Politik" ist es zu verdanken, daß die beiden aus Deutschland hergesandten modernen Lehrer gerade Bibel und Talmud lehren, während die profanen Fächer in minderwertigen Händen liegen. Aber auch der religiöse Unterricht sei dürftig und in der Methode mechanisch, und vor allem mangle es in der Schule an jeder Spur von Disziplin. Der Verfasser wendet sich scharf gegen das System der Orthodoxie, welche statt einer lebendigen Einheit ein künstliches Aufpfropfen des Religiösen auf das Profane und dazu noch eine ungerechtfertigte Gegenströmung gegen die anderen jüdischen Bestrebungen im Lande hervorrufe. Das hebräische Gymnasium in Jaffa kommt bei Czernowitz nicht gut weg. Die übertreibende Verhimmlung von der einen, die Gegnerschaft von der anderen Seite stammten daher, daß das Gymnasium das Extrem der nationalistischen Tendenz vertritt. Dem Gründer schwebte weder die Schaffung neuer jüdischer Werte noch ein äußeres Ziel für die Absolventen in bestimmten Formen vor. Inbezug auf die Stellung zur Religion wurde das Prinzip verfolgt, sie als Privatsache zu behandeln. Erst mit dem Wachstum der Schule sei der Gedanke in den Vordergrund getreten, ein Gymnasium in Palästina müsse, allen Einflüssen des Golus entrückt, den Typus des neuen Juden schaffen. Als geistiger Kern ohne religiöses Band blieb die Bibel aliein, in rationalistischer Auslegung. Die Resultate der modernen Bibelwissenschaft und -kritik sollen die alte, traditionelle Auffassung der Bibel ersetzen. Mit Recht bestreitet der Verfasser vom pädagogischen Standpunkt die Berechtigung dieser Methode, die die vermeintlich absolute Giftigkeit der bibelkritischen Resultate als eine Art Erziehungsgrundiage annehme. Doch geht er im Einzelnen zu weit. Insbesondere gilt dies von seiner Gegnerschaft gegen das Koedukationssystem, das sich bis jetzt recht gut bewährt hat. (Eine teilweise Widerlegung einzelner Einwürfe ist von Dr. Bogratochow hiezu erschienen.) Ernster wären vielleicht, wenn in dieser Form begründet, die Einwände gegen die Aufnahme halberwachsener junger Leute, welche direkt in die oberen Klassen eintreten, doch entzieht sich dies unserer Beurteilung. Den Schulen des Hilfsvereines rühmt der Verfasser nach, daß sie sie immer bestrebt seien, den Bedürfnissen des Landes Rechnung zu tragen und daß sie sich im Lehrplan und in der Wahl der Lehrkräfte nicht, wie ihnen oft vorgeworfen wird, von germanisierenden Tendenzen leiten ließen. Einige Mängel findet Czernowitz in der Leitung der ländlichen Schulen. Als Musterschule bezeichnet er die ruhig und geräuschlos sich entwickelnde „Mädchenschule" in Jaffa. Inbezug nuf das allgemeine Unterrichtswesen bemängelt Czernowitz vor allem das schon oft bemerkte Fehlen von Lehrbüchern. Er weist mit Recht darauf hin, daß hier Versäumnisse sind, nicht nur äußere Hinder- 246

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