Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Das hebräische Gymnasium in Jerusalem
Date
1912-01-01
Page
Seite 237 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2379786-2379848-2379857-2416235--04454-2416278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

deshalb in Jaffa bleiben, weil sie hier im Gymnasium ihren Kindern die gewünschte Erziehung geben können. Ja nicht wenige Familien sind überhaupt nur mit Rücksicht auf das Gymnasium nach Jaffa übersiedelt. Von welcher Bedeutung das Bestehen des Gymnasiums für die ökonomische Lage der Jaffaer Bevölkerung ist, beweist schon die Tatsache, daß für auswärtige Kinder ca. 10.000 Frcs. monatlich vom Auslande in die Stadtfließen, die natürlich nicht wenigen Familien zur Behauptung ihrer Existenz in Palästina verhelfen. Jerusalem aber, welches mit der großen Masse des jüdischen Volkes in Palästina überhaupt identisch ist, übt eine besondere Anziehungskraft auf die weiten Kreise des Judentums aus, und es ist zu erwarten, daß ein hebräisches Gymnasium in Jerusalem mit der Zeit zu einer nationalen Erziehungsanstalt auch für das Golus werden wird. Dies ist für unsere heranwachsende Jugend in Rußland schon heute aktuell, da dort die Aufnahmsbedingungen in den Mittelschulen für Juden von Tag zu Tag verschärft werden. 3. Das hebräische Gymnasium in Jerusalem soll, ebenso wie das Jaffaer, nicht nur für Palästina allein, sondern für die ganze Türkei vorbereiten. Palästina allein bat nur einen ziemlich geringen Bedarf an Vertretern der höheren Berufe und schon e i n Gymnasium muß jährlich mehr Zöglinge vorbereiten, als das Land aufnehmen kann. Dagegen ist im ganzen türkischen Reiche, das in kurzer Zeit die Errungenschaften der modernen Welt zu erreichen bestrebt ist, ein großes Bedürfnis nach jüngeren Leuten mit höherer Bildung vorhanden. Auch die an sich den Juden freundlich gegenüberstehende mohamedanische Bevölkerung wird ebensogerne Schüler jüdischer Schulen begrüßen, wie die Zöglinge der christlichen Schulen. Der Bedarf an gebildeten Kräften wird sich in der Türkei nicht bald erschöpfen und unsere Gymnasien müssen ihren Schülern eine solche Vorbereitung geben, daß sie in der Türkei ihren Beruf gehörig erfüllen können. Wenn aber Schüler jüdisch-nationaler Schulen in höheren Berufen in der Türkei wirken werden, dann werden sie nicht allein das Judentum in einflußreichen Kreisen vertreten können, sondern werden auch, was gewiß nicht weniger wertvoll ist, einen wohltuenden Einfluß auf unsere Brüder in der Türkei ausüben können. 4. Der Niedergang der Jerusalemer Bevölkerung ist auch zum großen Teile eine Folge der großen Uneinigkeit und Zersplitterung, die in den Kreisen der Intelligenz herrscht. Nichts aber ist so geeignet, diese widerstrebenden Elemente zu vereinigen, als eine gemeinschaftliche Erziehungsanstalt für alle Kinder. Durch die Bemühungen der Mitglieder unseres Komitees in Jerusalem, durch einige namhafte Beiträge von Gästen, die Jerusalem besucht haben, und insbesondere durch die hochherzige Spende des Herrn Lordmayor Moser war es möglich, das Gymnasium bisher zu erhalten. Herr Moser .hat während seines Aufenthaltes in. Jerusalem mit richtigem Blick erkannt, welche Bedeutung Jerusalem für die Hebung der Lage der jüdischen Bevölkerung in ganz Palästina besitzt und wie sehr dazu eine hebräische Gymnasialanstalt beitragen kann und hat deshalb für zwei aufeinander- 237

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.