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Palästina · 1912-01-01 · Heft 11-12 · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 11-12
Article
Jahresrückschau
Date
1912-01-01
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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Gymnasium hat in seiner äußeren Organisationsform die oberste Stufe erreicht. Gerade in Bezug auf die Grundfragen der Entwicklung freilich, im Allgemeinen sowohl als speziell in Bezug auf die kulturellen Verhältnisse, wurden in letzter Zeit mehrfache Stimmen der Kritik laut, und zwar im wesentlichen einer Kritik von innen. Liegt es allerdings im jüdischen Temperament und Intellekt ein wenig begründet, immer an das erst Werdende und Unfertige und ebenso womöglich an das Fundamentale die Kritik anzulegen, so ist diese doch andrerseits, wenn sie sich in die Linie des Fortschritts stellt, eine gesunde Erscheinung, soferne sie in die Betrachtung des Bestehenden größere Gesichtspunkte, die Resultate umfassenderer Erfahrungen und bestimmende Gedanken einzuführen imstande ist. Vor mehr als drei Jahren hat eine Anzahl von jüdischen Familien in. Jerusalem den Entschluß gefaßt, eine Schule zu begründen, die ihren. Kindern eine Gymnasialbildung vermitteln sollte. Die Begründer dieser Schule gingen von Erwägungen aus, die sie folgendermaßen formulieren: „V. In einer Stadt wie Jerusalem mit 50.000 jüdischen Einwohnern ist eine Mittelschule mit einem G3annasialprogramme, die ihren Zöglingeneine jüdisch-nationale Erziehung gewähren soll, eine Notwendigkeit. Durch den Hilfsverein der Deutschen Juden sind zwar in den letzten Jahren ein Lehrerseminar und eine Kommerzschule ins Leben gerufen worden. Zahlreiche Familien wollen jedoch ihre Kinder für eine Hochschule vorbereiten^, nicht aber sie zu Lehrern oder zu kaufmännischen Angestellten machen. Diese Eltern schicken ihre Kinder gewöhnlich entweder in die nichtjüdischen Schulen in Jerusalem oder nach dem Auslande. Zur Rettung; eines erheblichen Teiles der jungen Generation ist daher die Begründung eines hebräischen Gymnasiums in Jerusalem ein Gebot der nationalen Selbsterhaltung. Gegenwärtig wird die protestantische Mittelschule in Jerusalem von ca. 20 jüdischen Kindern besucht. Eine weitaus größere Zahl von jüdischen Kindern ist in verschiedenen Schulen christlicher Missionsgesellschaften untergebracht, wo sie zu einem nicht geringen Teile dem Judentum verloren gehen. Ebenso werden dem Volke und unserem Lande diejenigen Kinder entfremdet, weiche in ausländische Schulen geschickt werden. Diejenigen Eltern, die an sich eine nationale Erziehung für ihre Kinder nicht anstreben, ziehen, wenn sie sich von ihren Kindern, trennen wollen, Beirut, Paris oder die Schweiz dem benachbarten Jaffa vor. Nur. eine gediegene Schule in Jerusalem selbst kann die Kinder solcher Eltern für unsere Zukunft retten. 2. Ein hebräisches Gymnasium in Jerusalem soll ebenso wie in Jaffa nicht allein für die Kinder des Landes bestimmt sein und ist daher kolonisatorisch von hoher Bedeutung. Eine große Anzahl von wohlhabenden und das kulturelle Leben im Lande fördernden Familien können ja nur Das hebräische Gymnasium in Jerusalem. 236

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