Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auswanderung nach Palästina eine gewisse planmäßige Agitation betrieben wurde. Dadurch entsteht wieder eine gewaltige Verantwortung, die sich vor allem auf die Beschaffung dauernder Unterkunftsverhältnisse richtet. Arbeitsgelegenheit findet sich für diese Menschen vorläufig noch immer genug. Die Sicherheitsverhältnisse in den Kolonien sind sich ziemlich gleich geblieben. Daß auch dieses Jahr arabische Ueberfälle mehrfach stattgefunden haben, hat die Notwendigkeit einer jüdischen Kolonialwache auch in solchen Kreisen allmählich einleuchtend gemacht, welche sich bisher dem Zuwachs des jüdischen Arbeiterelements überhaupt nicht sehr günstig gezeigt haben. Der Jemenite auf der einen, der jüdische Wächter auf der anderen Seite werden allmählich eine typische Erscheinung in den Kolonien. Zur inneren Stabilisierung der Verhältnisse wirkt vor allem die Hygiene. Wenn auch das seinerzeit geplante hygienische Institut der Verwirklichung nicht näher gebracht wurde, so wurde andrerseits durch engere Vereinigung der ansäßigen Aerzte, durch Verbesserung des Spitalwesens, durch Errichtung eines Gesundheitsbureaus manches getan, was sich vielleicht unmittelbarer an die herrschenden Notwendigkeiten anschließt. Daß der allgemeine Gesundheitszustand unter der Bevölkerung der neuen Siedlungen besser ist als in den Auswanderungsländern, ist wohl begreiflich, doch grassieren hie und da, besonders in den Städten, manchmal Krankheiten, denen gegenüber vielleicht Abwehr gefunden werden könnte. Erwähnen wir noch, daß das auswärtige Interesse an der Kolonisation sich namentlich in solchen Kreisen gesteigert zu haben scheint, welche dem Judentum noch nahe zugehörig, durch Kapitaiskraft und öffentliches Ansehen vieles vermögen. Dieses Interesse äußerte sich in mehreren Reisen, die in dieses Jahr fallen und damit verbundenen Stiftungen. Zu den letzteren gehört auch die erste Anlage eines allgemeinen Fonds für kulturelle Zwecke in Palästina, der bei seiner vorläufigen Unbestimmtheit manchen Möglichkeiten Raum zur Betätigung geben könnte. Die kulturellen Bestrebungen sind im Fortschritt begriffen. Die Zahl der Lehrer, welche an die Mittelschulen in Jaffa und Jerusalem berufen werden, nimmt zu, und für die Ausbildung von Lehrkräften — dem vielleicht wichtigsten Erfordernis auf pädagogischem Gebiet — wurde im speziellen Falle durch Gründung eines Lehrerinnenseminars ein wichtiges Institut geschaffen. Einem wesentlichen Mangel des gegenwärtigen Unterrichtssystems, dem an hebräischen Lehrbüchern, wird immer mehr Abhilfe zu schaffen versucht. Das Polytechnikum, dessen Bau in diesem Jahre endlich begonnen wurde, kommt seiner Verwirklichung näher, das hebräische 235