Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Österreichischer Konsularbericht über Nordpalästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- Beirut 2× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
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Oesterreichischer Konsularbericht über Nordpalästina. Ein Bericht des österreichischen Konsulates in Saffed-Tiberias in Nordpalästina (Galiläa) führt aus, daß auch das Jahr 1911 für diesen Platz noch nicht die Erfüllung des alten Wunsches gebracht habe, wonach eine Automobilstraße von Beirut nach Jerusalem und von dort nach Damaskus zurück über Saffed gebaut werden soll. Dieser Platz bleibt nach wie vor gewissermaßen ein Adlernest, das durch keine gute Verkehrsstraße mit der Küste oder einer tiefer im Binnenlande liegenden Stadt verbunden ist. Der Warentranspoit von und nach Saffed hat daher noch immer unter hohen Kosten und anderen Schwierigkeiten zu leiden. Dagegen wurde für das ]ahr 1912 der Bau einer 21-5 Kilometer langen Straße für 123.000 Kronen vergeben, die von Saffed nach Tapcha am See Genezareth führen soll. Die Regierung hofft, den Verkehr des nördlichen Palästina durch diese Straße zum See Genezareth und von dort der Hedschasbahn zur Eisenbahnstation Saniach (am Südende des genannten Sees in der Mitte zwischen Haifa und Derat) zuzuführen. Dieser Straßenbau wird jedenfalls den Reisendenverkehr und den Warenbezug Saffeds aus Damaskus und vielleicht auch aus Haifa vorteilhaft beeinflussen. Doch bezieht Saffed den größten Teil seines Warenbedarfes aus Beirut und Akko; dieser wird aber nach wie vor bei dem Kameltransport verbleiben, da das öftere Umladen allzu verteuernd wirkt. Weit vorteilhafter für Saffed als Handelsmittelpunkt wäre der Bau einer Straße, die von Akko in nordöstlicher "Richtung nach Saffed und von dort weiter nach El Kunetra (im Ostjordanland) und Damaskus geht. Nicht minder wichtig als diese Straßenbauten wäre eine allgemeine Hebung der Verwaltungsverhältnisse. Hiedurch würde den Kapitalsbesitzern größeres Vertrauen und Mut zur Anlage ihrer Gelder in lokale Unternehmungen eingeflößt werden; anderseits könnte dann eine große Aktion zur Förderung der Landwirtschaft im nördlichen Palästina eingeleitet werden, indem große Bodenflächen teils durch Entsumpfung, teils durch Bewässerungsanlagen für den Ackerbau gewonnen würden. Die Auswanderung der jungen jüdischen Leute in Saffed nach Nordamerika, Australien, dem Transvaal etc. geht nach wie vor im großen Maßstabe vor sich, während die Einwanderung von Juden durch allerlei Schwierigkeiten gehemmt wird. In letzter Zeit ist die Neigung zu dieser Auswanderung durch die Furcht vor dem allgemein verlangten Militärdienst besonders erhöht worden. Auch haben sich die Nahrungsmittelpreise seit etwa 1906 mehr als verdoppelt, wodurch ebenfalls die Auswanderung zumindest nach den in besserer Lage befindlichen Küstenstädten nahegelegt wird. In den letzten Monaten des Jahres 1911 übten die durch den tripolitanischen Krieg hervorgerufenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf Nordpalästina wie auch auf das übrige Syrien eine ungünstige Wirkung aus. Zahlreiche junge Männer wurden zum Militärdienst berufen und dadurch dem Handel und der Landwirtschaft entzogen. Andrerseits betrugen die zum Loskauf vom Militärdienst verwendeten Summen allein in dem kleinen Saffed die verhältnismäßig bedeutende Summe von J5000 L. tq. Im Jahre 1911 wurde für Saffed mit einem Kostenauf wände von 45.000 Francs 226