Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Bericht der ICA
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht der ICA. Der Bericht der Jewish Colonisation Association (ICA) für das Jahr 1911, welcher der Generalversammlung vom 7. Juli dieses Jahres erstattet wurde, ist kürzlich im Druck erschienen. In dieser Generalversammlung hielt der Vorsitzende Herr Franz Philippson (Brüssel) eine längere Ansprache, die inzwischen die Runde durch die jüdischen Blätter gemacht hat. Bezüglich Palästinas sagte Herr Philippson, daß trotz der enormen Schwierigkeiten die Arbeit vorwärts gehe. Der Besucher der Kolonien werde von dem Geschauten geblendet. Freilich wisse er nichts von den enormen Opfern, die gebracht wurden, und zwar nicht nur seitens der Woltäter sondern auch der Kolonisten. Die 7500 jüdischen Kolonisten, die heute in Palästina ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, hätten eine Einnahme von mehr als zwei Millionen Frcs. erzielt. Das Palästinawerk beweise daher mit größter Deutlichkeit die Eignung der Juden zur Landwirtschaft. Der Bericht sagt über die Verhältnisse in Palästina im Berichtsjahre 1910/11, daß dieses für den Ackerbau nicht sehr günstig war; ausgenommen in Samaria waren die Erträge kaum besser als 1910/11, welche selbst nur mittelmäßig waren. Die ersten Regengüsse waren in einer schon zu vorgeschrittenen Epoche gefallen, was die Kolonisten verhinderte, rechtzeitig zu säen. Diese Verspätung des Regens hat ferner dem Wachstum der Gräser, welche die Hauptnahrung des Viehs ausmachen, geschadet, worunter die Herden gelitten haben. Dagegen haben die Pflanzungen sehr gut getragen, insbesondere die Reben, und da die Weinpreise sehr fest waren, so hatten die Kolonisten daran einen guten Erlös. Infolgedessen hat sich die Lage d<?r Weinbau treibenden Kolonien bedeutend verbessert. Auch Mandeln trugen viel, und die Kultur derselben wird von den Kolonisten jetzt sehr begünstigt. Diese Kultur hat den Vorzug, daß sie auf sehr mageren Boden, welcher für Getreide unbrauchbar ist, betrieben werden kann. Deshalb ist sie namentlich in Judäa sehr ausgedehnt worden. Es gab daselbst Ende 1911 mehr als 1600 Hektar, die mit Mandeln bepflanzt sind. Die Orangenpflanzung ist noch immer sehr beliebt. Diese Kultur wird von jenen Kolonisten bevorzugt, welche mit einigen Mitteln nach Palästina kommen. Sie hat bisher die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht sehr getäuscht und gibt noch immer guten Ertrag. Es ist aber schwer, zu sagen, ob dies noch lange anhalten wird. In den letzten Jahren sind in der Umgebung Jaffas große Flächen mit Orangen neu bepflanzt worden. Von 500.000 Kisten im Jahre 1900 ist die Produktion auf eine Million gestiegen und sie wird im Jahre 1916 voraussichtlich 2 Millionen betragen. Ob dafür Absatz gefunden werden wird, ist fraglich. Der Konsum des Hauptmarktes England ist beschränkt.*) Andere Märkte wurden bis jetzt trotz großer ^Anstrengungen noch in sehr geringer Zahl gewonnen. Es könnte daher leicht eine Absatzkrise eintreten, wenn man mit der Ausdehnung der Orangenpflanzungen in bisheriger Weise fortfahren dürfte. *) Wir glauben, daß bei der enorm wachsenden wirtschaftlichen Kraft Englands eine solche Annahme kaum zutreffend ist. Anm. d. Red. 215