Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gründer
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 2)
- Language
- German
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„Sehr klug bist du Salim, um ein Midjidi willst du ein Schaf kaufen? Gib zwei her!" Salim ging fort, blieb eine Viertelstunde aus, brachte eine Handvoll Münzen und legte sie vor den Soldaten. Dieser fand, daß ein Bischlik*) auf die Rechnung fehlte. Vergebens beteuerte Salim beim Barte des Propheten, daß er nicht mehr habe. Salim flüsterte mit seinem Weibe, die irgendwo in einer Ecke des Hofes kauerte, in irgend ein Laken gehüllt, daß sie beim Mondlicht aussah wie ein geheimnisvolles Wesen. Zum Schlüsse riß sie einen Bischlik von ihrer Halskette los, die aus lauter Münzen bestand, und Salim brachte ihn dem Soldaten. „Einen Bischlik von der Kette deines Weibes mag ich nicht", erklärte der Soldat großmütig. Dann legte er seine Hand Salim auf die Schulter und sagte in liebevollem Tone: „Ibn Mustapha, wozu dies alles? Da hast du noch einen halben Medjidi und du gib mir das Schäfchen, bei meinem Leben, es ist nicht mehr wert, und nimm noch diesen halben Bischlik für Mustapha, daß er nicht weine." „Ja Effendi, ja Effendi! fürchtest du Allah nicht?" „Ja Salim, alles ist von Allah, beim Leben des Scheich Ibrahim**), auch der Riemen ist von Allah." Salim begann auf der Stelle zu zittern „Das Schaf her! Vorwärts!", schrie der Soldat, indem er den Riemen zeigte, „gewiß hast du den da schon lange nicht gekostet, daß du so närrisch tust." Und ehe noch Salim ihm antworten wollte, fuhr der Riemen mehreremale auf seine Schulter herab. Salim riß sich nicht von den" Schlägen los und seufzte auch nicht, sondern er versuchte die Hand des Soldaten zu ergreifen und zu küssen, und auch die Fellachin warf sich dem Soldaten vor die Füße. Dieser stieß beide weg, dann nahm er seinen Reisesack, zog daraus eine kleine Kette heraus, mit der man die Gefangenen zu binden pflegt, und befahl Salim, seine Hände hineinzustecken, während er zugleich murrte : „Hund, du hast vergessen, daß man vor zwei Jahren einen Erschlagenen hier in der Nähe des Dorfes gefunden hat und daß der Mörder noch nicht entdeckt ist." „Effendi, bei Allah und dem Propheten, nimm dein Schaf", flehten beide, Salim und sein Weib. „Gib du es her, ich bin nicht dein Diener". Der arme Salim trat zu dem umzäunten Platz, nahm das Schäfchen auf seinen Arm, dieses leckte ihm noch Wange und Nase und so brachte Salim sein Opfer vor den Soldaten. „Machet ein Feuer an", befahl dieser, zog ein Messer aus seinem Gürtel, steckte den Griff in den Mund, nahm das Schaf Salim aus dem Arm, warf es, wie es war, auf den Boden, die Füsse nach aufwärts, stemmte die Knie gegen seinen Leib und stieß ihm das AAesser in den Leib. Das rote Blut brach hervor. Mustapha wird zu Stein und blieb wie gebannt an seiner Stelle. Die Fellachin weinte : „Mein Schäfchen, mein Kind!" wie *) Kupfermünze, etwas mehr als V* Frcs. **) Abraham. 163