Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ländliche und städtische Siedlungsarbeit
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
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:: PALÄSTINA :: MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS. IX. JAHRGANG 1912 HEFT 6 Ländliche und städtische Siedlungsarbeit, Nahezu. im Mittelpunkte unserer jüdischen Kolonisationsprobleme wurde oft diese Frage erörtert, wenn sie auch in den letzten Jahren durch die Synthese der Wirklichkeit oft in den Hintergrund gerückt war. Für eine, wenn auch nicht in allen einzelnen Zügen vorher bestimmbare, jedenfalls aber weitsichtige Kolonisationsmethode, wie sie namentlich der zionistischen Organisation vorschwebt, ist sie natürlich mit den relativ nicht zahlreichen bereits vorhandenen Erfahrungen keineswegs erledigt. Man muß, um die Frage in Bezug auf die wirkliche Entwicklung richtig zu beleuchten, an den Anfang der neuen jüdischen Kolonisation zurückgehen. Diese, mit einer keimhaft vorhandenen Renaissancebewegung im Judentum in ihrer Entstehung verknüpft, durch die Judenverfolgungen in Osteuropa, die allmählich den Charakter einer Verfolgung des jüdischen Volkes annahmen, ausgelöst, unterscheidet sich grundsätzlich von dem sogenannten älteren „Jischub", der auch selbst kaum zwei Jahrhunderte zurückreicht und gleichfalls — namentlich in Bezug auf den Orient — unmittelbar in die neue nationale Palästinabesiedhing einmündet. Gegenüber der kolossalen Höhe der jüdischen Emigration trägt die Immigration in Palästina von vorneherein einen der Zahl nach geringfügigen, der Methodenach idealistischen Charakter an sich, indem nicht bloß die Versorgung von Juden in neuen Lebensverhältnissen, sondern eine Wiedereinsetzung jüdischen Volkstums in sein altes Heimatsland angestrebt wird, wobei zugleich die Notwendigkeit ländlicher Ansiedlung, die Verwurzlung mit Grund und Boden im Vordergrunde steht. So entstehen bekanntlich die ersten jüdischen Kolonieen. Und wenn dieselben auch dank den völlig anderen Lebensgewohnheiten des jüdischen Bevölkerungselements durch beispiellose Krisen hindurchgingen, die wieder durch die philanthropischen Administrationen zum Teile ebenso verursacht als überwunden wurden, so haben doch gerade die guten Folgen der allmählichen Verselbständigung der Kolonieen deren gesunde Entwicklungsmöglichkeiten erwiesen. Andrerseits kommt freilich gerade die nationalistische Grundlage unserer Siedlung um die ansäßigen Bevölkerungselemente nicht herum, die eben gerade in den Städten angehäuft sind. Der historischen Gerechtigkeit zufolge muß sogar in diesem Element, auf welcher Entwicklungsstufe es sich auch befinde, das Band historischer Kontinuität im Lande selbst erblickt werden. 153