Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Bedeutung der Einführung des Karakulschafes für die Landwirtschaft Palästinas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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konstatieren, hingegen ist in den meisten wirtschaftlichen Faktoren das Karakulschaf diesem überlegen. Namentlich, was das Pelzwerk betrifft, hält das Palästinaschaf mit jenem keinen Vergleich aus, wie es durch die Zahlenangabe ihrer Werte unzweideutig hervorgeht. Diese wirtschaftliche Ueberlegenheit des genannten Schafes nun ist es, die die Frage der Möglichkeit, die Zucht desselben in Palästina einzuführen, aufrollt. Daß dies einen großen Vorteil wirtschaftlicher Natur für die dortige Landwirtschaft bedeuten würde, dafür braucht man nach dem Gesagten keine weiteren Beweise mehr anzuführen. Zum Zwecke der Beurteilung der Möglichkeit einer Einführung der Karakulschafzucht in Palästina ist es vor allem von Wichtigkeit, die beiden Gebiete in Bezug auf ihre klimatischen Verhältnisse miteinander zu vergleichen. Es soll ganz davon abgesehen werden, daß die Einführung dieser Zucht selbst in klimatisch grundverschiedenen Gebieten: in Oesterreich und an verschiedenen Stellen Rußlands mit Erfolg durchgeführt wurde. Denn diese Erfolge berechtigen noch immer nicht zu dem Schlüsse, daß die bis jetzt gewonnenen Resultate auch überall in gleichem Maße sich einstellen müssen, wenn es auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit besitzt. Diese Wahrscheinlichkeit gewinnt aber durch den Hinweis auf klimatische Aehnlichkeit dieser beiden Gebiete beinahe den Charakter einer Gewißheit. Und dies umsomehr, als auch andere Faktoren der beiden Milieus übereinstimmen Dieser Vergleich ist notwendig, da es selbst unter Züchtern Leute gibt, die die Qualität des Karakulpelzes als Produkt des Milieus seiner bucharischen Heimat, des Klimas, seiner Vegetation etc. betrachten. Diese Ansicht wird von Hofrat Adametz in einer ausführlichen Arbeit auf das Entschiedenste bekämpft und das Tatsachenmaterial, das er zur Beweisführung aufbringt, scheint stichhältig genug, um von der Richtigkeit seiner Ansicht zu überzeugen. Aber um von vornherein jeden Zweifel an der Zweckmäßigkeit meines Vorschlages auszuschließen, sollen hier die klimatischen Verhältnisse dieser beiden Gebiete miteinander verglichen werden, zumal ein solcher Vergleich schon an und für sich in Hinsicht auf die wirtschaftliche Erschließung Palästinas interessant sein kann. Und aus diesem Grunde werde ich diese Verhältnisse etwas ausführlicher als nötig behandeln. Sieht man von allen bis jetzt mit der Einführung der Karakuizucht gemachten Erfahrungen ab und will man auf eine solche Möglichkeit aus der klimatischen Aehnlichkeit dieser Gebiete schließen, so kommt man durch einen diesbezüglichen Vergleich zu überraschend positiven Resultaten. Das Zucht- und Verbreitungsgebiet des Karakulschafes umfaßt nach Adametz, in der Zeitschrift für landwirtschaftliches Versuchswesen (siehe Lit.-Verz.), Westbuchara und Chiwa, die klimatisch von Ficker behandelt wurden. Die wichtigsten klimatischen Faktoren, die allein für einen Vergleich in Betracht kommen, wären die Temperatur, der Niederschlag und die Feuchtigkeit. Alle übrigen meteorologischen Faktoren spielen eine wesentlich untergeordnete Rolle und können bei unserer Betrachtung ganz vernachlässigt werden. Wohl wäre noch die Kenntnis der Tauverhältnisse 131