Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Bedeutung der Einführung des Karakulschafes für die Landwirtschaft Palästinas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Zuchtgebiet der Karakulschafe (auch Persianer genannt) liegt in Westturkestan (Zentralasien) und zwar auf den dortigen regenarmen Steppen. Dieses Schaf zeichnet sich neben anderen wirtschaftlichen, mäßig guten Eigenschaften besonders durch die Vorzüge der Pelzqualität der neugeborenen Lämmer aus. Sehr deutlich tritt dieser wirtschaftliche Faktor vor Augen, wenn man den Wertunterschied des Pelzwerkes neugeborener Karakulschafe mit dem der gewöhnlichen Landrassen in dem hieftir geeigneten Maßstab, nämlich in Geld ausdrückt. Während man das Pelzwerk eines neugeborenen Z a c k e 1 s *) mit 0.50—1.20 Kronen bezahlt, beträgt der Durchschnittspreis von 10 Jahren für das eines Karakullammes 7.50 Rubel, d. h. ca. 19 Kronen. Dies ist der Durchschnittspreis, während besonders schöne Exemplare bis auf 25 bis 30 Rubel pro Stück zu stehen kommen. Solche Preise werden nämlich für weiße oder graue, bei sonst mittlerer Qualität bezahlt. Aber neben dieser seiner Hauptleistung, die in der eigenartigen Lockenbildung der neugeborenen Lämmer gelegen ist, weist dieses Schaf auch in andrer Richtung mittelgute Leistungen auf. Seine Milchergiebigkeit ist eine mittelgute und wird auf 40 bis 50 Liter während einer Lactationsperiode gerechnet, wobei der Fettgehalt der Milch von Kühn mit 67* Prozent angegeben wird. Diese Leistung darf mit Rücksicht auf den hohen Fettgehalt der Karakulmilch als eine mittelgute und der des in Palästina einheimischen Schafes überlegen gelten. Auch die Wolleistung ist als eine mittelgute anzusehen und beträgt pro Stück bei einmaliger Schur 3 bis 37s Kilogramm, wobei das Kilogramm Schmutzwolle mit 0.80 bis 1 Krone zum Verkaufe gelangt. Auch bezüglich dieser Leistung kann das palästinensische Schaf kaum als leistungsfähiger gelten. Auch in jeder andern Hinsicht besitzt das Schaf wirtschaftlich wertvolle Eigenschaften. Seine Wüchsigkeit ist gerade unter kärglichen Ernährungsverhältnissen eine relativ sehr gute, bei guter Fütterung sogar eine vorzügliche. So gibt Hofrat Adametz an, dessen Schriften ich alle Angaben über das Karakulschaf verdanke: „Nach Walter erreichen in Rußland 7 Monate alte Tiere 110 bis 120 Pfund, was selbst dort im Lande des billigen Fleisches, als so wichtig angesehen wird, daß man die Aufzucht der wegen minderer Fellqualitäten ausrangierten Lämmer für Zwecke der Fleischproduktion für rentabel hält. Die Neigung zu günstiger Körperentwicklung konnte ich bei den von mir auf der Versuchswirtschaft der Hochschule für Bodenkultur zu Groß-Enzersdorf gehaltenen Karakullämmern ebenfalls beobachten, obwohl ich bestimmter Ziele wegen die Aufzucht eher kärglich gestalte. Bei, wie gesagt, recht mäßiger Fütterung haben die meisten Bocklämmer daselbst mit 8 bis 9 Monaten Lebendgewichte von zirka 40 bis 50 Kilogramm (Maximum . 50.75 Kilogramm)". Auch die Fruchtbarkeit des Karakulschafes läßt nichts zu wünschen übrig. Auch ist dieses Schaf sehr anspruchslos und gegenüber äußeren Einflüssen sehr widerstandsfähig. Vergleichen wir nun das Karakulschaf bezüglich aller seiner wirtschaftlichen Leistungen mit dem in Palästina einheimischen Fettschwanzschaf, so können wir auf der ganzen Linie keine Ueberlegenheit des letzteren *) Einer in Oesterreich sehr verbreiteten Schafart. 130