Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Achad Haam über Palästina [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 3)
- Language
- German
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gefühl mit dem arbeitenden Elemente oft Abbruch leidet. Der Arbeiter, der fähig sei, dauernd Arbeiter zu bleiben, sei eine seltene Erscheinung. Daß durch genossenschaftliche Großbetriebe in natürlicher Weise der besitzlose Arbeiter Kolonist werden und hierdurch ein Kolonistenelement geschaffen werden könne, das dem Boden in viei engerer Weise verwächst, wird von Achad Haam wohl zu wenig in Betracht gezogen. In der Ausgestaltung der Kulturinstitute, namentlich des Schulwesens erkennt Achad Haam bedeutende Fortschritte. Er hätte es ehedem kaum für möglich gehalten, daß durch die schwachen Kräfte der jüdischen Lehrer ein solches Wiederaufleben der hebräischen Sprache bewirkt werden könne. Als das Hauptziel der palästinensischen Siedlung, die in ihrer engeren unmittelbaren Entwicklung der Pflege wert sei, erblickt Achad Haam ebenso wie früher die Schaffung freier örtlicher Bedingungen für die Entwicklung des jüdischen Geistes und Wesens. Den neuen jüdischen Typus, von dem Achad Haam einmal schrieb, daß man nach Palästina werde deuten müssen um ihn zu seh3n, könne man in den Anfängen schon dort sehen. Die Ausführungen Smelianskis im zweiten Hefte des Haschiloach betreffen die Arbeiterfrage. Nur etwa ein Zehntel der Arbeitskräfte in den Kolonieen ist jüdisch. Dennoch beginnt sich die Situation des Arbeiterstandes langsam zu befestigen. Einen wesentlichen Fortschritt in dieser Hinsicht bilden die landwirtschaftlichen kooperativen Gruppen (in Dagania, Merchawjah. Chulda-Lydda, Sedschera), welche bemerkenswerter Weise auch ökonomisch anderen Betrieben voraus sein sollen. Welche Vorteile Arbeitervorstädte bedeuten würden, wird an dem Muster von „Ein Ganim" gezeigt. Als Zeichen dauernder Besserung der Situation eines Arbeiterstandes gegen früher wird angeführt: die Erhöhung des Lohnes (dieser beträgt für einfache Arbeiten etwa 2 Frcs. pro Tag), die überall eingeführte Beschäftigung jüdischer Arbeitskräfte in den Orangerieen, die Ansiedlung von ungefähr hundert jemenitischen Familien, endlich die Uebcrgabe des Wächterdienstes der Kolonieen in jüdische Hände. Bislang herrschte die seltsame Gewohnheit, die Wächter gerade aus solchen arabischen Elementen zu nehmen, welche den Eigentumsstörern besonders nahestanden, was manche üble Folgen halte. Durch die Einführung jüdischer Wächter ist die Sicherheit des Eigentums ganz wesentlich gesteigert Die jüdischen Wächter sind auch untereinander organisiert. Nach der Meinung des Verfassers verspricht die qualitative Verfeinerung der landwirtschaftlichen Betriebe für jene Elemente, welche ständig Arbeiter bleiben wollen, eine Verbesserung ihrer Lage. Unter den sozialen Erscheinungen ist es noch recht betrüblich, daß viele junge Elemente, Kolonistensöhne, das Land verlassen (ob es sich wohl um dauernde Auswanderung handelt?), sodaß sich der Mangel eines jugendlichen Elementes in den Kolonieen unangenehm fühlbar macht. Manches davon sei nach des Verfassers Meinung auch der „Väter Schuld". Im Allgemeinen konstatiert der Verfasser (was vielleicht doch nur sub-