Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Achad Haam über Palästina [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 2)
- Language
- German
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mit Zuversicht in die Zukunft. Allerdings sei es zu bezweifeln, daß durch die Kolonisation wirkliche Bauern in größerer Zahl geschaffen werden können, die nicht nur „Liebe zum Lande", sondern auch „Liebs zur Scholle" besitzen, also durchaus wurzelfest seien. Der jüdische Kolonist strebt danach, als Kulturmensch zu leben, der Boden saugt nicht sein ganzes Wesen ein. Immerhin stelle er als eine Art Farmer einen Typus dar, der sich schon jetzt vorteilhaft von dem des jüdischen Städters abhebe. Achad Haam glaubt demnach nicht an eine Massenansiedlung, an die Schaffung einer „gesicherten Heimstätte", er wünscht vielmehr eine besonders hohe Entwicklung wenn auch weniger Ansiedlungspunkte durch eine Art natürlicher Auslese unter den neuen Ansiedlern. Hebräisches Gymnasium in Haifa. Die Ansiedlung unbemittelter Leute könne nur durch öffentliche Institutionen, und zwar nur im beschränkten Umfange durchgeführt werden. Der Wert der Institutionen, wie z. B. der zu gründenden Agrarbank, sei nicht von vornherein zu übeischätzen, da deren Wirkungsfähigkeit von vielen Faktoren abhänge und auch sie hauptsächlich Bemittelte ansiedeln könne. Eine traurige, aber in der psychischen Veranlagung natürlich begründete Erscheinung, welche die Bildung künftiger bodensäßiger Generationen erschwert, sei die häufige Auswanderung von Kolonistensöhnen, obgleich diese die Liebe zu ihrer Heimat ins Ausland mitnehmen und, wenn sie hier Erfolg gehabt, auch heimkehren. Bei den Arbeitern sieht Achad Haam eine natürliche Tendenz, zum Kolonistenstande überzugehen, womit freilich das Zusammengehörigkeits- 107