Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Ein historischer Rückblick
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 9)
- Language
- German
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mittel und eine ausgedehntere Propaganda-Tätigkeit zurückzuführen ist. Vielmehr ist sie als Zeichen dafür anzusehen, daß die vermehrte Verwendung der Gelder für die praktische Arbeit in Palästina doch wohl im Sinne der Spender und auch der freiwilligen Hilfskräfte des NF., der Leiter der Sammelstellen, war. Die Spender und die im Dienste des NF. selbstlos arbeitenden Sammler hatten eine andere Meinung von der Gegenwarts-Arbeit des NF. als ein sonst um den Zionismus so verdienter Mann wie Dr. Alexander Marmorek beim achten Kongreß zu erkennen gegeben hatte, da er sie mit „Chalukahpolitik" charakterisieren zu müssen glaubte. . . Das Jahr 1909 hatte einen Monatsdurchschnitt von 35.650 Mark gezeitigt. Das Vermögen des JNF., mit dem inzwischen auch die 1904 als besonderer Verein gegründete „Oelbaumspende" vereinigt worden war, war auf 1,828.000 Mark gestiegen, von denen Ende des Jahres, zur Zeit des neunten Kongresses. 49 Prozent in Palästina investiert waren --• des ersten Kongresses, bei dem sich keine Stimme mehr gegen die Gegenwartsarbeit des NF. in Palästina erhob; es sei denn, daß man die Acußerung M o t z k i n s, daß er die Palästinaarbeit nur als Propagandamittel für den Zionismus betrachte, so auffaßt. Eine Aeußerung übrigens, die einmal in der Oeffentlichkeit getan und gebilligt, dem Propagandamittel die Bedeutung und den Wert als solchen nehmen würde. Aber diese Auffassung fand keine Zustimmung und konnte auch unmöglich eine solche finden bei diesem Kongreß, der unter dem Eindruck der offiziellen Preisgabe der Charteridee stand, der als erster nach der türkischen Revolution stattfand, die ihrerseits der evolutionistischen Auffassung des Zionismus zum endgültigen Siege verholfen hatte. Der Kongreß bewies auch seine andersgerichtete Anschauung durch seinen einstimmigen Beschluß, oer Errichtung einer Siedlungsgenossenschaft auf Nationalfonds- Boden in Palästina, er bewies es durch seine weiteren Beschlüsse, die neue Landkäufe in Palästina anstrebten und auch nicht zum wenigsten durch seine Forderung der immer weiter durchzuführenden Ueberleitung der Mittel der Kolonialbank nach Palästina. Und so sehen wir denn auch in dem dem Kongresse folgenden Jahr 1910 den Prozentsatz des in Palästina, sei es zum Kauf von Grund und Boden, sei es zur vorübergehenden Beihilfe von der jüdischen Entwicklung in Palästina förderlichen Unternehmungen, angelegten Vermögensteiles des NF. weiter ansteigen, bis er Ende des Jahres 61 Prozent erreicht. Auch diese Steigerung ist wiederum wie im Vorjahr von einer Erhöhung der Eingänge begleitet, die auf einen Monatsdurchschnitt von 37.000 AAark kommen; und dies trotz der Sondersammlung für den Genossenschaftsfonds. Das Gesamtvermögen betrug Ende 1910 2,360.000 Mark, nachdem inzwischen auch noch der Wolffsöhn- Fonds zum Bau von Arbeiterhäusern in palästinensischen Kolonieen dem NF. angegliedert worden war. Auch im Jahre 1911 sehen wir ein weiteres Ansteigen der Spenden und Zuwendungen für den JNF. Der zehnte Zionistenkongeß, der im August 1911 stattfand und im Zionismus eine Synthese aller Richtungen brachte, hatte unter seinen Delegierten keinen mehr, der der praktischen Arbeit des Jüdischen Nationalfonds im gegenwärtigen Palästina widerstrebt hätte. Mit einem Gesamtvermögen von 2,775.000 Mark schließt das Jahr 1911 und damit das erste Jahrzehnt 94