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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 76

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
Was kann und soll der Jüdische Nationalfonds zur Förderung der Ansiedlung der Jemeniten in Palästina tun?
Date
1912-01-01
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
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zeit nie mehr als eine Speise. (Eingewanderte Jemeniten, die bei mir zu Hause Dienste leisteten, mußten erst zum Essen trainiert werden.) Von Kleidung in unserem Sinne haben sie auch nur eine literarische Vorstellung. Drei Viertel der Juden im Jemen begnügen sich mit einem Hemde als ausreichender Bekleidung. Bei all dieser Anspruchslosigkeit in größtem Arbeitsfleiße bringen sie doch oftmals nicht ihr Existenzminimum auf. Die Hungersnot grassiert häufig im Jemen und der Würgengel wütet besonders in den Hütten der Juden. Nichts berührt den jüdischen Wanderer so sehr, als der Anblick mancher Ortschaften, wo die gesamte jüdische Einwohnerschaft in der letzten Hungersnot hinweggerafft wurde. Nicht minder bedrückend ist überhaupt die große Mortalität. „Wir sehen keine Enkel", sagen dort die Leute. Wenn nun diese Erscheinungen, die zum großen Teile auf die Isolierung der Jemeniten zurückzuführen sind und die auch nach erfolgter Einwanderung nach Palästina nicht mehr zum Vorschein kommen, den jüdischen Durchreisenden aufs tiefste betrüben, so wird er doch durch ihre moralischen Eigenschaften freudig gestimmt. Ich erlaube mir einiges, das ich darüber am 13 Jänner 1911 in der „Welt" gesagt habe, zu zitieren: „Es muß ohne weiteres zugegeben werden, daß die talmudische Durchbildung der Massen bei den Jemeniten viel höher ist, als bei den Juden anderer Länder. Einen jemenitischen Am-ha-Arez gibt es nicht. Jeder hat Thora, Mischna, Maimonides und Sohar studiert und jeder spricht auch mehr oder minder geläufig die hebräische Sprache. Auch ihre Frauen, die äußerlich wie die Araberinnen gekleidet sind, bekunden in ihrer Lebenshaltung echt jüdische Gesinnung und Frömmigkeit." Besonders auffallend ist der Geradsinn und die unbegrenzte Ehrlichkeit der Jemeniten. Ihm ist alles Falschsein, alles Drehen und Deuteln fremd und in der Seele widerlich. Ich hatte übrigens in letzter Zeit Gelegenheit, die Jemeniter in nächster Nähe als Arbeitgeber zu beobachten. Ich habe nämlich im neuen Viertel „Nachlath-Benjamin" ein zweistöckiges Häuschen gebaut und 97 Proz. der Arbeiten durch Aschkenasim, Sefardim und Temanim ausführen lassen. Ganz zufrieden war ich nur mit den Temanim. Nun ist noch zu bemerken, daß in der Seele der Jemeniten eine tiefinnerliche Liebe zu Erez-Israel wohnt. Ihre erste größere Einwanderung geschah noch vor 30 Jahren und hatte Jerusalem zum Ziel. Sie hatten dazumal schweres Ungemach auszustehen. Sie haben sich jedoch tapfer gehalten. Heute füllen sie die segenspendenden Räume des Bezalel und es ist gar lustig und zugleich erhebend zu sehen, wie die jemenitischen Graubärte in den Abendkursen, nach getaner Tagesarbeit, das Zeichnen lernen. Besonders rühmlich ist die jemenitische Bezalel-Kolonie in Ben- Schemen. Die Kerls haben sich da gesundheitlich prächtig erholt, was ihrer Filigranarbeit gewiß nicht zum Schaden gereicht. Ab und zu kommen zu ihnen ihre Verwandten von Jerusalem, denen auch ein vorübergehender Aufenthalt auf dem Lande von großem Segen ist. Erst vor drei Jahren fingen die neu einwandernden Jemeniten an, sich in den Kolonien niederzulassen. Das Verdienst für diesen Wandel gebührt Herrn Eisenberg in Rechoboth und der Organisation des „Hapoel hazair" in Jaffa. Namentlich diese rührige Arbeiterorganisation hat die Sache dann nie wieder aus dem Gesichtskreis verloren. Ueber die jeme- 76

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