Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 3-4
- Article
- Die Landarbeiterfrage in Palästina
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 12)
- Language
- German
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Er würde im besten Falle zur Selbständigkeit erst in einer Zeit gelangen wo er seine besten Kräfte bereits in der Lohnarbeit ausgegeben hat. Wie* in allen Ländern der Agrarkredit ein unentbehrlicher Faktor in der Landwirtschaft geworden ist, so muß ihm diese Rolle auch bei der jüdischen Kolonisation zufallen. Hofientlich wird eine Agrarbank nach der bevorstehenden Aenderung der türkischen Bodengesetzgebung diese Kreditfrage lösen können oder die großen jüdischen Kolonisationsgesellschaften werden die bisherige philanthropische Kolonisation einschränken und einen ausgedehnten Agrarkredit auf geschäftlicher Grundlage an deren Stelle setzen. Was kann und soll der Jüdische Nationalfonds zur Förderung der Ansiedlung der Jemeniten in Palästina tun? Seit einigen Jahren interessiere ich mich für die Niederlassung der Jemeniten in Palästina in Stadt und Land. Mit dem Interesse wuchs auch die Liebe für diese unsere Brüder und, wie ich mir wohl schmeicheln darf, das Verständnis für die große Bedeutung, die die Ansiedlung der Jemeniten für unser gesamtes Kolonisationswerk gewinnen kann. Es hat sich bei mir die Ueberzeugung gebildet, daß wir erst dann in unserer Arbeit besseren Zeiten entgegengehen werden, wenn wir die gesamten Juden des „Galut Tenan" im Lande haben werden. Daß bei dieser Aufgabe der JNF. nicht abseits stehen darf, vielmehr in erster Reihe berufen ist, die Sache tatkräftigst zu föidern, braucht keiner weiteren Begründung. Es wird jedoch nicht überflüssig sein, einerseits die Erfahrungen der bereits gemachten Anlange zu rekapitulieren, andererseits genau zu sagen, worauf es jetzt ankommt. Im ganzen Jemen gibt es zirka 5000 Familien mit zirka 20.0C0 Seelen, die in 400 bis 5C0 Ortschaften zerstreut leben. Nur in Zanao gibt es eine große Gemeinde mit zirka 3000 Seelen. Sonst leben sie in kleinen Städtchen und Dörfern. Da es im Jemen noch immer keine einheitliche Regierung gibt, vielmehr noch immer fast jeder Ort seinen „Herrscher" hat, der seinerseits zu einem Oberherrscher in einem gewissen Tributverhältnis steht, so ist auch das Schicksal der dort wohnenden Juden ein verschiedenartiges. Es ist besonders in vielfacher Beziehung das Schicksal der Juden in Südjemen von dem der Juden in Nordjemen zu unterscheiden, (was leider Herr Jomtow Zemach, der Leiter der Alliance-Schule in Beyrut, in seinem sonst sehr gewissenhaften und brauchbaren Bencht über die Juden in Jemen nicht tun konnte, da er nur die Lage der Juden in Nordjemen studiert hat.) Mag nun auch in sozialpolitischer Bez'ehung die Lage der Juden in Südjemen eine weniger drückende sein, zweierlei Gemeinsames haben sie mit den Juden des Nordens: die Armut und die Ehrlichkeit. Von ihrer Anspruchslosigkeit kann sich ein europäischer Jude kaum eine Vorstellung machen. Auch der reiche" Jemenitc ißt an Wochentagen zu einer Mahl- 75