Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus Zeitschriften.
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Verfasser erwähnt andere schon bestehende Fortschritte in der Entwicklung der Kolonien, die größere Zahl von Aerzten (10) und Apotheken, die Einrichtung der Wasserleitungen, des ständigen Wagenverkehrs, der Post, die große Zahl von Handwerkern, Kaufläden etc. Zum Schlüsse erwähnt Smelianski flüchtig die landwirtschaftlichen Großbetriebe, teils auf kapitalistischer, teils auf genossenschaftlicher Grundlage: in Kineret, Medschdel, Merchawjah, Artuff und die Gründungen des Nationalfonds. * Die Bedeutung des hebräischen Wortes M i 11 o wird von Casparia in der Zeitschrift des D. P. V. auf eine originelle Weise erklärt. Dieser Name findet sich in der Bibel als Bezeichnung eines Stadtgebietes, sowohl in Jerusalem als in Sichern. Von König David wird (II. Sam, 5 cap.) berichtet, daß er „von Millo im Bogen einwärts baute." Nun befindet sich in — Nürnberg ein alter Stadtteil, der „die Füll" heißt, weil die Stelle einst durch Ablegung von Schutt über einem alten Stadtgraben entstanden sei. An einer Oertlichkeit, die sonst der Lage der ältesten Jerusalemer Stadtmauer entsprechen soll, hat nun Guthe ein Tal festgestellt, das irgendwann mit Schutt ausgefüllt worden sei. Der Name „Millo" entspricht aber dem Namen „Füll" vollständig. * * * Jakob E. Spafford hat mit einigen Mitgliedern der amerikanischen Kolonie Jerusalems im Juni 1911 in einem Motorboot eine achttägige Fahrt im Toten Meer ausgeführt. Bemerkenswert war die Zunahme des Wasserstandes des Sees, der die Niederungen zu überfluten beginnt. Die Halbinsel am Nordende ist bereits zur Insel geworden und diese wird in absehbarer Zeit ganz unter Wasser gesetzt werden. Erklärt wird dieses Steigen des Sees durch die Zunahme der Niederschläge. 1861 bis 1870 fielen durchschnittlich 21 Zoll Regen in Jerusalem, 1901 bis 1910, 28 Zoll. V Bücherbesprechungen. Maitin Bub er: Drei Reden über das Judentum. Diese Reden, in den letzten Jahren an einigen Orten gehalten, wollen das Problem des Judentums, wie es sich vor allem in Seele und tieferem Leben darstellt, behandeln: in einer tief durchlebten, von der üblichen Phrasenhaftigkeit in solchen Fragen weit entfernten Art. Das Tragisch-Ironische der ganzen Situation des jüdischen Volkes, wie es der einzelne Jude als Erbe seines Blutes miterleben muß, klingt vorzugsweise in der ersten Rede an, wenn hier auch in der Substanzialisierung dieser Volkseinheit zu weit gegangen wird. In der Forderung der Einheit sucht Buber den Sinn des Judentums innerhalb der Menschheit zu fassen, in den drei reinsten Tendenzen des Judentums, der Idee der Einheit, der Tat und der unbedingten Zukunft, erblickt er die Gewähr für eine Erneuerung desselben, die in einer neuen, noch unaussprechbaren Synthese sich vollziehen müsse. Es sei uns gestattet nur wenige Worte aus dem Buche selbst wiederzugeben. „Diese Menschen da draußen, diese elenden, gebückten, schleichenden Menschen, die von Dorf zu Dorf herumhausieren und nicht wissen, woher und wovon sie morgen leben werden, und diese schwerfälligen, fast be- 46