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Palästina · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Einige Vorschläge zur Förderung der Landwirtschaft in Palästina
Date
1912-01-01
Page
Seite 3 (sequence 2)
Language
German
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der Hand, daß die nachstehenden Vorschläge keiner großzügigen Natur sein können, sie erheben auch keinen Anspruch darauf und es wäre genug, wenn es gelingen sollte, durch diese nur wenig Nutzen für die Landwirtschaft Palästinas zu stiften. Der erste Vorschlag gilt der Gründung einer landwirtschaftlichen Einkaufsstelle und namentlich einer solchen für Kunstdünger. Der Kunstdünger beginnt sich in Palästina Eingang zu verschaffen und, wenn ich nicht irre, wird seine Verwendung in sehr kurzer Zeit eine allgemeine werden. Schon heute wird er von allen Orangengärtenbesitzern Petach- Tikwah's ohne Ausnahme angewendet. Ohne jeden Zweifel wird er in allernächster Zeit auch für die anderen Kulturen namentlich für Mandeln und Weinreben und nicht zum geringsten Teile auch für den reinen Ackerbau allgemeine Verwendung finden. Dafür sind zwei Hauptgründe bestimmend. Der erstere Grund liegt in dem großen Mangel an animalischem Dünger, der in allen älteren und größeren Kolonien herrscht und der durch die geringe Viehhaltung in den jüdischen Kolonien einerseits und die Erschöpfung der Düngervorräte in den benachbarten arabischen Dörfern, auf deren Verwendung die jüdischen Kolonien angewiesen sind, andererseits, begründet ist. Ein weiterer Grund für die rapide Zunahme der Kunstdüngerveiwendung liegt in der großen Verarmung der palästinensischen Böden an den pflänzlichen Nährstoffen, die durch die jahrhundertelange Raubwirtschaft der Araber verursacht wurde*) und in der besonders großen Wirkung der Düngung. Und ist somit sehr begreiflich, wenn die Ergebnisse aus den Düngungsversuchen, die zu Ben- Schamen, wie die, die vom Direktor der landwirtschaftlichen Schule zu Wilhelma durchgeführt wurden, so glänzend zugunsten des Kunstdüngers ausgefallen sind. So konnten zu Ben-Schamen bei entsprechender Kunstdüngung bei Weizen fast das Vierfache, bei Hafer und Gerste sogar das Sechsfache der ungedüngten Parzelle erzielt werden. Die Wirkung dieser Versuchsergebnisse wird sicherlich nicht ausbleiben und eine große Ausdehnung der Düngeranwendung zur Folge haben. Nun ist es bekannt, daß der Kunstdüngerhandel große Gefahren der Uebervorteilung der Iandwiitschaftlichen Konsumenten mit sich bringt Gegen den sogenannten Düngerschwindel sind in den meisten zivilisierten Staaten gesetzliche Bestimmungen getroffen worden, welche den ganzen Düngerhandel regeln. Diese Gefahren bestehen in Palästina infolge des Fehlens gesetzlicher Maßnahmen in weitaus größerem Maße als in den meisten Kulturstaaten. So sind mir mehrere krasse Fälle nicht nur im Preise, sondern auch in der Qualität des Düngers bekannt. Das Fehlen einer Versuchsstation mit einem chemischen Laboratorium**) öffnet den Schwindeleien Tür und Tor. Mein Vorschlag geht nun dahin, eine Einkaufstelle, am besten auf genossenschaftlicher Basis, zu errichten, wo den Kolonisten der Dünger zu Kostenpreisen unverfälscht geliefert werden könnte. Wir könnten uns hiebei der bereits existierenden landwirtschaft- *) In den arabischen Wirtschaften wird nicht gedüngt, mit Ausnahme von Gemüsegärten und hie und da Olivengärten. **) Die Versuchsstation Palästinas hat vorläufig von der Einrichtung eines solchen ganz abgesehen. 3

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