Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Palästina im jüdischen Volksbewusstsein
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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:: PALÄSTINA :: MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS. IX. JAHRGANG 1912 HEFT 1 Palästina im jüdischen Volksbewußtsein. Für die lebendige Entwicklung eines Volkes ist das Land nicht bloß ein geographisches und nicht als solches der Hauptbegriff. Es assoziiert sich in lebendiger Wirklichkeit mit allem, was das Volk darin geworden ist und geschaffen hat. Uud eben darum hat es auch seine wechselnde und sich wandelnde Bedeutung. Stellt nun die Wiederansiedlung eines jüdischnationalen Bevölkerungselements in Palästina eine ganz eigen-, fast einzigartige Erscheinung dar, — die nur mit der einzigartigen Heimatlosigkeit des jüdischen Volksganzen in Zusammenhang steht — so erhält damit jenes Land, in dem ursprünglich die Kräfte dieses Volkes herangereift waren, eine neue, aber auch eine andere Bedeutung innerhalb des Volksbewußtseins. Mag diese zunächst darin bestehen, daß, was einmal Gegenwart war, als Erinnerung wieder lebendig wird! Und wenn allerdings durch die ganze jüdische Geschichte der Exilsländer ein Zug fast beispielloser Anhänglichkeit an die jüdische Volksheimat in nationalen und religiösen Dingen geht, so kann durch die Berührung mit dem heimatlichen Boden diese Erinnerung mehr ins Objektive, Reale erhoben, in die richtige Perspektive gerückt werden! Und gleicherweise können die gewaltigen Erscheinungen der Vorzeit erst in das Bewußtsein des allzusehr in die kleinlichen Züge und Kämpfe des Lebens verstrickten Volksdaseins ihrer ganzen Größe nach übergehen, als sie wieder nicht in ihrer Form als Ideal eines inzwischen durch mannigfache Wandlungen durchgegangenen Volkes gelten können. Andererseits hat die heutige Palästinabewegung trotz ihrer starken idealisierenden Kraft ihre Ziele doch noch sehr enge an das Morgen, an die wirtschaftlichen Notwendigkeiten geheftet. Nur in unbestimmten und unzureichenden Formen greift sie in die Vergangenheit zurück, sucht sie eigentlich erst in der Zukunft die Form eines Ideals. Auch sie trägt noch etwas von der Tragik des Voiksschicksals mit sich, von dem einmal gesagt wurde, daß es Vergangenheit und Zukunft, aber keine Gegenwart habe. Aber wieder ist die Aneigung einer unmittelbar-gegenwärtigen Lebensbetätigung, des Genügens l