Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379837-2415478--03313-2415539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht das Beste des Landes für das Ausland exploitieren, sondern d em Auf schwunge Palästinas selber zustatten kommen, Hebung des Handels, Gründung von Schulen und anderen gemeinnützigen Institutionen, ohne daß es den Staat einen Heller kosten würde, Steigerung des Bodenwertes, somit des Volksvermögens — dies sind die unverkennbaren Vorteile, die unmittelbaren konkreten Wirkungen der jüdischen Einwanderung, welche ihrerseitskein wie immergeartetes Aequivalent vom türkischen Staate erhält oder auch nur beansprucht. Der Jude kostet dem türkischen Staat im Unterschied von allen die Türkei bewohnenden Völkerschaften, sogar den Türken selbst, keinen Mann und keinen Heller. Allen diesen Vorteilen gegenüber steht kein Nachteil entgegen, denn an das lächerlich dumme und böswillige Märchen von dem Bestreben der jüdischen Einwanderer, Palästina von der Türkei loszureißen, glaubt kein Türke im Lande. Im Gegenteile sieht er, daß der Jischub offenkundig zur Stärkung des türkischen Prestiges und zur Befestigung der türkischen Herrschaft im Lande beiträgt. Die christlichen Nationen, hinter denen die europäischen Mächte stehen, waren gewohnt, im Lande nach Belieben zu schalten, und nur ihre gegenseitige Eifersucht und Konkurrenz, wer von ihnen nach der großen Liquidation der Türkei die Herrschaft über das Land zu übernehmen habe, ließ die Gefahr von dieser Seite minder aktuell und drohend erscheinen. Mit dem jüdischen Jischub trat ein neuer Faktor auf, welcher sowohl den Einfluß der christlichen Nationen auf die gegenwärtigen Schicksale des Landes als auch ihre Appetitsregungen für die Zukunft wesentlich herabgemindert hat. Eine wesentlich größere Gefahr droht der Türkei von der panarabischen Bewegung, welche von zwei Seiten, von Aegypten und von Syrien aus in Palästina einzudringen beginnt und deren Zweck die Los-, reißung der ton Arabern bewohnten Länder von der Türkei behufs Schaffung eines nationalen, arabischen Staates ist. Da nun Syrien, Palästina und Arabien ein einheitliches, zusammenhängendes arabisches Gebiet bilden, so liegt es nur im Interesse der Türkei, die Juden als eine Art Keil, welcher Norden und Süden trennt und die Macht der Araber in Palästina lähmt, in dieses zusammenhängende Gebiet einzutreiben. Die Türkei herrscht in vielen Teilen des erwähnten Gebietes nur nominell über ihre arabischen Untertanen. Faktisch sind die räuberischen Beduinen sogar in vielen Teilen Palästinas ganz unabhängig und verstehen es, sich der türkischen Herrschaft, d. i. der Steuerleistung und der Rekrutenstellung zu entziehen. Ihre fortwährenden Ueberfälle auf die Hedschabahn und auf andere ruhige Untertanen zwingen sogar oft die Regierung, Pazifizierungsexpeditionen, welche mit einem nicht geringen Aufwände von Geld und Blut verbunden sind, in die bedrohten Gebiete zu entsenden. Dem gegenüber muß die Tatsache, daß in Gebieten, in welche die jüdische Kolonisation vorgedrungen ist, endgültig und voll- 259