Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Machanajim
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es besteht nämlich.noch heuie unter den kaukasischen Juden ein starker Zusammenhang der Familien, zurückreichend in jene Zeit, da sie noch als einsame Stämme im Lande hausten. Aus diesem Grunde nehmen an jeder wichtigeren Angelegenheit, die jemand dort beginnt, alle Verwandten teil. Und so erfolgte auch die WanderungnachPalästina nach ganzen Familiengruppen, welche hieher Abgesandte schickten, zur Auswahl geeigneter Ansiedlungspunkte. Zwei dieser Abgesandten kamen nach mancherlei Schwerlichkeiten und Irrwegen auch nach Obergaliläa und mieteten bei der Administration der Ika ein Landgebiet neben Machanajim. Dann erlangten sie auch die Erlaubnis, mit den nachkommenden Familien in jenen bis jetzt leer stehenden Häusern zu wohnen, die bereits Ruinen glichen und wo die Vorüberziehenden oftmals ihr Vieh einzustellen pflegten. Die neuen Kolonisten richteten die Häuser wieder her und begannen darin zu wohnen. Heute verfügen sie über sieben von den Häusern (in sechs von diesen wohnen sieben Familien, das siebente steht noch leer). Die anderen Häuser sind noch von „Charaten" besetzt. Außerdem wohnen kaukasische Juden noch in Madschas (vier Familien) und Madrub (zwei Familien). 4 Die neuen Kolonisten machen als Bauern und als Menschen einen guten Eindruck. Sie sind noch von ihrem Geburtslande her an ein natürliches Leben gewöhnt und bedürfen keines schweren Ueberganges zum Bauernleben. Die Frauen und Töchter der Kolonisten schämen sich nicht, Kühe und Ziegen zu melken, Wasserkrüge auf ihren Schultern zu tragen und selbst im Felde zu arbeiten. Nur aus Unkenntnis der neuen Bedingungen der Arbeit verwenden sie auch „Charaten", doch antwortete einer auf die Frage: „Braucht ihr Charaten oder Araber? Nein! Und wie werdet ihr die ganze Ernte zum Drusche bringen können? Wir werden russisch arbeiten, mit Weib und Kind aufs Feld gehen." Die Ernte verspricht eine gute zu werden, namentlich in Bezug auf Gerste und Weizen, die hauptsächlich angebaut werden. Nur den Pflanzungen geht es schlecht — aus Wassermangel. Die Wasserfrage ist die brennendste in der Kolonie. Die einzige Quelle, aus der man Wasser holt, ist nahezu einen halben Kilometer entfernt und dieselbe Quelle wird auch von den Arabern eines Nachbardorfes benützt, auf dessen Grund sie fließt. Im Winter reicht das Wasser auch für Machanajim aus, im Sommer hingegen versiegt es und wird noch von Arabern zum Baden benützt. Mit der Wasserfrage hängt auch die des Bodens in der Kolonie zusammen. Der größte Teil des Bodens von Machanajim befindet sich im Besitze von Kolonisten aus Rosch-Pinah. Nur ein ganz kleiner Landstrich ist noch seitens der Administration zu vergeben." Zwei Leute aus Machanajim mieten jetzt auch die „Churbah" (ein Landgebiet von 600 Dunam, das die Administration für zehn Jahre von den Arabern gemietet hat). Und doch hätte der Boden nicht ausgereicht, wenn nicht heuer das Schemittajahr wäre, wo dann die Kolonisten auch den Boden von acht feiernden Kolonisten in Mischmar Hajarden bearbeiten. Die Kaukasier hoffen schließlich doch mit Gottes und der Administration Hilfe Boden zu bekommen, „wenn nicht", sagen sie, „werden wir die Höfe umpflügen und auf den Dächern säen." Doch müssen sich die Leute eine sichere Grundlage der Existenz suchen. Da sie nun nicht vom Getreidebau allein leben können, aus Mangel an Boden, müßten sie sich der Gärtnerei zuwenden, mit der sie auch alle ein wenig vertraut sind, einige darin auch sehr tüchtig. Bis jetzt haben sie damit keine Erfolge erzielt — wegen Wassermangel. Würden sie indessen einen Brunnen graben, dann könnten sie damit 20 bis 30 Dunam bewässern und es würden Gemüse und Früchte 257