Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Jabneh
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Nähe gleicht Jabneh ganz irgend einem andern arabischen Dorf. Der Hügel ist — wie dies zumeist bei den arabischen Dörfern der Fall ist — aus übereinandergelageiten Schuttresten zu erklären. Oestlich vom Dorfe steht eine Zisterne und ein Teich. Eine Moschee bezeichnet das Haus, das der Ueberlieferung nach das Gebets-oder Lehrhaus desjochanan ben Sakai war. Doch dürfte der Bau des Hauses durchaus nicht in das Altertum zurückzureichen. Allerdings scheint es sein Aussehen öfters geändert zu haben. Der Bau ist nicht groß und hat die Höhe eines einstöckigen Hauses. An den Wänden sind keine Fenster angebracht, sie sind einfach und aus den Steinen der Umgebung gebaut. Das Licht dringt nur durch die Türe hinein. Nach den ovalen Bögen, die auf Säulen ruhen, könnte der Bau aus der Zeit der Kreuzzüge stammen, aus welcher Jabneh auch erwähnt whd. Auch ein halbverfallener Turm scheint darauf hinzudeuten, daß der Bau zur Zeit der Kreuzfahrer eine Kirche war. Von dem Turme aus genießt man einen schönen Anblick. Jabneh ist von allen Seiten von Orangengärten und Ackerfeldern umgeben, die sich bis zu den schimmernden Dünen erstrecken. Im Westen das blaue Meer, im Norden die weißen und grünen Linien von Rischon, im Osten die Häuser von Rechobot und im Süden die Häuser von Gederah und die Bäume von Ekron. Vor einiger Zeit hat man rings um die Moschee die Erde aufgegraben, behufs Ausbesserung des Gebäudes und man fand bei dieser Gelegenheit eine Höhle mit einer Säulenreihe inmitten. Was noch darinnen war, konnte man noch nicht erforschen, weil die Sache der Regierung bekannt wurde und von Jaffa sofort der Befehl kam, die Mündung der Höhle sofort zu verschließen. Ob sich im Boden auch Reste jüdischer Gebäude finden oder ein solches aus viel späterer Zeit (wie bei ähnlichen Säulen aufweisenden Höhlen in Ramleh), bleibt uns verborgen, und die Frage nach der Urzeit Jabnehs harrt noch der Lösung im Wege von Ausgrabungen. Wir wandeln in den Straßen von Jabneh, sehen seine Häuser und sprechen mit seinen Bewohnern, aber das Geheimnis seiner Vergangenheit ruht in den Tiefen der Erde und noch ist es keinem Auge offenbar. Außer der Moschee befindet sich in Jabneh noch ein alter Bau: das Grab des mohammedanischen Heiligen Abu-Rir. (Dasselbe wird allerdings auch an anderen Orten gezeigt.) Im Innern des Weli, worin auch gebetet wird, befindet sich ein Raum mit Marmorsäulen, deren Giebel sehr schön sind. Zur Verzierung dienen Blattformen ähnlich jenen, welche man in Palästina auf antiken Säulen findet. Es wäre daher möglich, daß sie aus der Zeit des zweiten Reiches stammen. Säulenreste finden sich auch in dem weiten Hofe des Grabgebäudes, ebenso in dem das Haus umgebenden Friedhof. Das Gebäude selbst hingegen ist keineswegs alt. Araber gibt es in Jabneh gegen 2500. Alle sind Mohammedaner. Jabneh ist eines der größten Dörfer in Judäa. Es leben darin auch zwei oder drei Effendis, welche zweistöckige Häuser besitzen. 231