Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Reisebeobachtungen und Informationen über Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Gemeinsam ist den genannten Städten ihre wundervolle Lage, entweder am Äbhange oder am Fuße einer Anhöhe. Von der Ferne gesehen, bieten sie einen außerordentlich malerischen Anblick. Ganz anders präsentieren sie sich, wenn man sie betritt und die Quartiere der Juden und der Araber aufsucht. Man findet schmutzige, enge Gassen, in denen der üble Geruch den Atem benimmt; Mangel an Licht und Luft an allen Orten. Dabei sind die Straßen oft überwölbt und so eng und regellos mit einander verbunden, daß man des Eindruckes nicht loswerden Kann, als habe man es mit einem einzigen labyrinthartigen Gebäude und nicht mit einem Komplex von Häusern zu tun. Diesen Eindruck verstärkt noch der Mangel an Plätzen. Alles steht so, wie es vor Jahrhunderten gestanden hat, und die Entwicklung scheint hier spurlos vorübergegangen zu sein. Doch nicht ganz. Denn in einigen dieser Städte, in Jerusalem, Jaffa und Haifa hat sich neben der oben geschilderten Altstadt eine Neustadt im europäischen Stile aufgebaut, welche wenigstens teilweise die geschilderten Mängel überwunden hat. Die Neustadt ist zum Teile ein Werk der Christen, zum Teile verdankt sie ihre Entstehung dem jüdischen Jischub. Die christlichen Konfessionen wetteifern miteinander, prächtige Kirchen, Klöster und Hospize zu errichten und verwenden hierfür enorme Mittel, ohne daß jedoch ein Umsichgreifen des Christentums, eine Vergrößerung seiner Einflußsphäre fühlbar wäre. Ganz anders wirkt der Jischub, der wohl nicht die Mittel besitzt, prächtige Bauten aufzuführen, aber den Charakter einer Besitzergreifung trägt. Besonders macht sich dies in Jerusalem und in Jaffa, dem Zentrum des Jischub, bemerkbar. Jerusalem soll heute bereits 80—90.000 Einwohner zählen, darunter 50—60.000 Juden. Die Stadt ist also im letzten Dezennium kolossal gewachsen und speziell die Anzahl der Juden ist enorm gestiegen. Diese "Tatsache ist auf eine hochinteressante Erscheinung zurückzuführen, welche gans unabhängig vom Zionismus, obwohl in gewisser Hinsicht wesensverwandt mit ihm, in Wirksamkeit Iritt. Es ist nämlich unter den Juden des Orients, welche den Zionismus manchmal nicht einmal dem Namen nach kennen, eine starke Konzentrationsbewegung nach Palästina bemerkbar, ohne daß irgend ein äußerer nachhaltiger Anlaß hierfür bekannt geworden wäre. Von allen Seiten strömen nach Jerusalem bucharische, persische, jemenitische, marokkanische, tscherkessische und grusinische Juden größtenteils aus religiösen Gründen, teils auch durch die Unhaltbarkeit ihrer Lage aus den Heimatsländern getrieben. Die meisten von ihnen sind äußerst arm wie z. B. die persischen Juden und noch mehr die jemenitischen. Reich sind eigentlich unter den Neuangekommenen nur die bjicharischen, unter denen es Leute geben soll, welche mehr als eine Million Rubel im Vermögen haben. Gleichzeitig hält die religiöse Einwanderung aschkenasischer Juden an und die vom Zionismus angeregte Einwanderung ist ebenfalls gestiegen, insbesondere auch, indem durch die Gründung neuer Schulen, Banken und anderer öffentlicher Institutionen viele Angestelite von auswärts zuge- 221