Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Eine Spitzenindustrie für Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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von der Ermöglichung einer Einwanderung. — Betrachten wir zunächst die Frage, auf welche Weise der Judenschaft Palästinas zu helfen sei, so finden wir, daß diese ihrer großen Mehrzahl nach keinen (oder keinen ausreichenden) Erwerb hat und daher auf Unterstützungen von außen her angewiesen ist. Angesichts dieser Lage fließen denn auch Hilfsgelder von allenthalben ein, um den Bedürftigen Nahrung, Kleidung, Wohnung, Unterricht, ärztliche Pflege uswzu verschaffen, aber alles das, so notwendig es auch ist, reich1 natürlich nicht aus, um den gegenwärtigen Zustand dieser Bevölkerung gesünder zu gestalten. Es reicht nur allenfalls, um Hunger und Auswanderung einigermaßen zu hindern. Geholfen — wirklich geholfen — kann der arbeits- und erwerbslosen Bevölkerung Palästinas nur werden durch Beschaffung von Erwerb. Gelingt dies in größerem Maße, so wird dadurch in direktester Weise die bisherige Wohltätigkeitshilfe überflüssig gemacht. Eine erwerben de Bevölkerung sorgt für ihre Bedürfnisse selbst — auch für eine Minderheit von Erwerbsunfähigen in ihrer Mitte. Halten wir dem entgegen, daß die Wohltätigkeitshilfe (deren segensreiche Wirkung unter den heutigen Verhältnissen kein Einsichtiger bestreiten wird) da, wo die Erwerbsmöglichkeiten fehlen, solche nicht herbeiführt, so ist die zwingende Notwendigkeit der Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für die Einheimischen wohl in allen Hauptrichtungen erwiesen. Wie steht es nun mit Bezug auf die Einwanderung? — Wir wünschten, sie wäre groß, aber sie ist klein und konnte — unter den bisherigen Verhältnissen — nicht sehr viel größer sein, solange nicht für Erwerbsmöglichkeiten gesorgt war. Für größere und kleinere Kapitalisten ist Palästina in seinem gegenwärtigen Entwicklungsstadium ein gutes Land. Darin stimmen alle überein, die klaren Blickes sich die Mühe genommen haben, die Verhältnisse zu prüfen. Aber die wenigsten Einwanderer gehören zur besitzenden Klasse, und für die Minderbemittelten und Besitzlosen können nur Einwanderungsländer in Frage kommen, die Arbeitsmöglichkeiten bieten. Diese waren in Palästina in nennenswertem Maße bisher nicht gegeben, und darum — aus keinem anderen Grunde — hat auch eine grö ß e re Einwanderung nicht stattfinden können. Anders ist es nicht zu erklären, daß Palästina — das so viel nähere, leichter und billiger zu erreichende Land, das Land mit der jüdischen Entwicklung (von allen gefühlsmäßigen Argumenten zu schweigen) — nicht das Ziel 212