Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Erwerbsaussichten für jüdische Einwanderer in Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 2)
- Language
- German
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b) Durch Haltung von Kühen. Die Einrichtung eines Stalles für 3 bis 4 Kühe, mit den notwendigen Geräten für Butter- und Käse-Bereitung, kostet, wenn man den Stall pachtet, bis 10C0 Frcs., wenn man den Stall selbst baut, bis 2000 Frcs. Eine gute Kuh kostet zirka 300 Frcs. und ergibt bei sorgfältiger Pflege durch Verkauf von Milch, Butter und Käse einen monatlichen Verdienst von etwa 10 Frcs. c) D'jrch Anbau von Gemüse, z. B. Tomaten, Blumenkohl, Kartoffeln, Zwiebeln usw. Die Gemüsezucht (und eigentlich auch die Milchwirtschaft und Geflügelzucht) kann allerdings nur dann in richtiger Weise erfolgen, wenn man ein eigenes Häuschen mit Garten und Brunnen errichtet, was zirka 4000 Frcs. kostet Dafür erspart die Familie die Wohnungsmiete und kann aus dem Verkauf des Gemüses 20 Frcs. monatlich und mehr verdienen. III. Leute mit zirka 15.000 Frcs. Vermögen haben zwei Möglichkeiten: 1. Sie können sich als Kolonisten ansiedeln und Ackerbau (Körner, bau) treiben. Da es in Palästina nur in sehr seltenen Fällen möglich ist Land zu pachten oder gegen langjährige Ratenzahlungen zu erwerben, muß der Kolonist das Land gegen bar kaufen und folgende Aufwendungen machen: 200-250 Dunam Land (20-25 ha) ä 30-40 Frcs. . 6.000-10.000 Frcs. Haus mit .Stall .............. 3.000 4.000 „ Lebendes und totes Tnventar......... 1.500 2.000 „ Saatgut und Lebensunterhalt bis zur ersten Ernte . 1.500— 2 PCO „ 12.000-18.000 Frcs. Körnerbaukolonien sind die galiläischen und in Judäa Chedera, Ekron, Artuf, Katra und Kastinie. In einigen dieser Kolonien gibt es hin und wieder noch etwas Boden zu kaufen. Außerhalb der judischen Kolonien ist es dem einzelnen unmöglich, Boden zu kaufen, weil die Kaufverhandlungen sehr schwierig und auch nur größere Landstücke von einigen tausend Dunam zu kaufen sind. Für Ankauf von Land außerhalb der jüdischen Kolonien müssen sich wenigstens 20—30 Leute zu einer Gesellschaft vereinigen. Auskunft über Ankauf von Land erteilt das Palästinaamt in Jaffa. Ein Kolonist, der 250 Dunam Ackerboden besitzt kann davon, wenn er fleißig und tüchtig ist, zirka 1500 Frcs. bis 2000 Frcs. Gewinn im Jahre haben. Dieser Betrag reicht zum anständigen Lebensunterhalt einer Familie in einer Kolonie bei bescheidenen Ansprüchen aus. Da der Körnerbau nur dann rentabel ist, wenn der Kolonist selbst mitarbeitet und die Landwirtschaft versteht, eignet er sich nur für kräftige Leute, die körperliche Arbeit im heißen Klima ertragen können und wenigstens einige landwirtschaftliche Kenntnisse besitzen. 2. Leute, welche nichts von Landwirtschaft verstehen und an schwere körperliche Arbeit nicht gewöhnt sind, sollen bei einem Kapitale von 15.000 Frcs. sich nicht mit Körnerbau, sondern mit Pfanzungen beschäftigen. Da es aber nur wenig Pflanzungen zu kaufen gibt, die bereits Frucht tragen, so muß die Pflanzung erst neu angelegt werden. Dies geschieht am besten in der Weise, daß durch Vertrag die Anlage der Pflanzung einer Gesellschaft oder einem Kolonisten in Palästina übertragen wird und der Einwanderer erst dann nach Palästina kommt, wenn die Pflanzung schon Frucht trägt. Denn wenn der Einwanderer selbst die Pflanzung anlegen wollte, so würde er in den 5 bis 6 Jahren, bis die Pflanzung Erträge liefert, den größten Teil seines Kapitals für seinen Lebensunterhalt aufzehren. Für 15.000 Frcs. lassen sich 120—150 Dunam mit Mandeln, Eukalyptusbäumen und Oliven bepflanzen und sobald die Pflanzung Ertrag liefert (bei Mandeln und Eukalyptus nach 5 bis 6 Jahren, bei Oliven nach 187